Seit Anfang der 1990er Jahre hat sich Faktor-Investing zu einem wichtigen Bestandteil der Aktienanalyse und der Anlagepraxis entwickelt. Trotzdem ist noch wenig darüber bekannt, wie gut gängige Risikofaktoren die Renditen neu börsennotierter Unternehmen erklären können und wie sich dies im Laufe ihrer Entwicklung verändert. Diese Arbeit untersucht, ob die Erklärungskraft des Fama-French-Fünf-Faktoren-Modells (FF5) für US-Börsengänge zunimmt, je länger die Unternehmen an den öffentlichen Märkten gelistet sind. Betrachtet werden Unternehmen, die zwischen 1990 und 2010 an der Nasdaq, der AMEX und der NYSE neu notiert wurden. Sie werden nach der Zeit seit ihrer Notierung (2–6 Jahre vs. 6–10 Jahre nach dem IPO) in zwei Gruppen eingeteilt. Anschließend werden Betas, Alphas, Faktorkorrelationen und Spanning-Tests analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Modellgüte und die Faktorstruktur im Zeitverlauf nur leicht verbessern. Die Faktoren Rentabilität und Investitionen liefern zunehmend unabhängige Preisinformationen, und die Marktbetas steigen. Andere Faktorladungen bleiben jedoch instabil und oft statistisch unbedeutend. Insgesamt deutet dies darauf hin, dass das FF5-Modell die IPO-Renditen mit zunehmender Reife der Unternehmen etwas besser erklärt – die Befunde sind jedoch vorläufig und sollten vorsichtig interpretiert werden.
Niclas Martin Becker (Wed,) studied this question.