Beschleunigte Umweltveränderungen machen viele Küstenregionen zunehmend unbewohnbar und machen Migration zu einer zentralen Anpassungsstrategie. Dennoch stellen politische Narrative Mobilität häufig durch Angst‑ schüren und Fremdenfeindlichkeit dar, wodurch ihr Potenzial zur Stärkung der Resilienz verdeckt wird. Diese Arbeit untersucht Migration aus der Perspektive der translokalen Resilienz, eines Rahmens, der aufzeigt, wie migrierende Menschen Verbindungen über mehrere Orte und entlang von Migrationsrouten aufrechterhalten. Als natürliches Experiment wird die Explosion von Beirut im Jahr 2020 – ein plötzlicher Umwelt‑ und soziopolitischer Schock in einer niedrig gelegenen Küstenstadt – herangezogen. Wir kombinieren ethnografische Interviews mit einer Netzwerk‑Analyse informeller Mobilitätskanäle. Die Ergebnisse zeigen, dass (i) vertriebene Familien mehrortige soziale Bindungen behalten, die eine schnelle Umverteilung von Ressourcen ermöglichen, (ii) informelle Netzwerke als „Mobilitäts‑Korridore“ fungieren, die den Verlust von Lebensgrundlagen abmildern, und (iii) politische Maßnahmen, die diese Korridore formalisieren und diasporagestützte Mikro‑Finanzierung fördern, die Anpassungsfähigkeit deutlich steigern. Indem Migration als ein konstruktiver Prozess des Resilienz‑aufbaus positioniert wird, liefert die Studie ein Modell für minimal invasive, maximal adaptive Politiken, die die Handlungsfähigkeit den Migranten überlassen und ihren Beitrag zur sozialen Resilienz nutzen.
Lara Dik (Wed,) studied this question.