Wie kann im Studium auf die berufliche Praxis vorbereitet werden, wenn, wie dargelegt werden soll, der professionelle Habitus allein im Vollzug der beruflichen Praxis selbst angeeignet werden kann? Im Sinne von Bourdieu verfügen wir über generelle Prinzipien der Vermittlung von Habitus und Feld, welche er als praktisches Erkennen bezeichnet und die unabhängig von je spezifischen Habitus Geltung beanspruchen können. In der Ausbildung von beruflichen Akteur:innen in den People Processing Organizations, insbesondere der Schule, der Frühpädagogik und der Sozialen Arbeit, können das forschende Lernen und sein Produkt, die forschende Haltung, sich auf dieses praktische Erkennen stützen. Die empirisch-methodischen Verfahren der rekonstruktiven Sozialforschung haben (im Sinne einer „naturalistischen Epistemologie“) immer schon an derartige in der Alltagspraxis verankerte Prinzipien des Erkennens angeschlossen. Zu einer forschenden Haltung, welche im praktischen Erkennen fundiert ist, gehört zum Beispiel das Erkennen von Interaktionssystemen und von Grenzen und Illusionen normativer Regelungen. Diese Haltungen haben sich im Sinne von Bourdieu nach Art eines „Bruchs mit dem Common Sense“ immer wieder gegen rationalistische, d. h. der Logik der Praxis nicht entsprechende, Theoriekonstruktionen oder Vor-Urteile zu behaupten. Die forschende Haltung ist weder mit dem professionellen Habitus in der Wissenschaft noch mit demjenigen in den People Processing Organizations gleichzusetzen. Ihre Aneignung kann allerdings die Funktion der Vorbereitung auf die Praxis in letzteren Organisationen und auf den dortigen professionellen Habitus übernehmen. Sie kann im forschenden Lernen vorzugsweise in der Forschungspraxis kasuistischer Lehrformate angeeignet werden.
Ralf Bohnsack (Tue,) studied this question.