Zusammenfassung Der vorliegende Beitrag beleuchtet Generativität aus psychologischer und existenzphilosophischer Perspektive. Ausgehend von Eriksons Einführung des Konzepts als zentraler Entwicklungsaufgabe des Erwachsenenalters zeichnet der erste Abschnitt nach, wie Tatjana Schnell den Begriff im Rahmen ihrer empirischen Sinnforschung aufgreift. Überträgt man die Ergebnisse ihrer Forschung in den begrifflichen Rahmen der existenziellen Psychotherapie nach Irvin D. Yalom, lässt sich generatives Handeln als wirksame lebenspraktische Antwort auf den ultimate concern der Sinnlosigkeit verstehen. Wie sich Generativität auch auf die anderen drei ultimate concerns der Isolation, der Freiheit und der Konfrontation mit dem Tod auswirkt, ist Gegenstand des zweiten Abschnitts. Im Ergebnis zeigt sich, dass sich die existenzielle Bedeutung von Generativität nur unter Berücksichtigung aller vier Grundbedingungen menschlichen Lebens angemessen erfassen lässt. Wenn dem so ist, stellt sich aus jaspersianisch-existenzphilosophischer Sicht allerdings die Frage, ob scheiternde Generativität nicht als Grenzsituation sui generis verstanden werden kann oder sogar muss. Dieser Frage wird im dritten Abschnitt des Essays nachgegangen und in Anknüpfung an andere Beiträge zu Jaspers’ Systematik der Grenzsituationen ein Vorschlag zur Unterscheidung einer engen und einer weiten Auslegung des Begriffs erarbeitet. Scheiternde Generativität erscheint dabei als überzeugendes Beispiel für eine weite Auslegung von Grenzsituationen, die der menschlichen Erfahrungsvielfalt möglicherweise besser gerecht wird.
Alexander Schnorbusch (Fri,) studied this question.
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