Die Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels auf alpine Pflanzenarten sind noch nicht restlos geklärt. Einerseits deuten Modellierungsstudien darauf hin, dass alpine Pflanzen unter wärmeren Klimabedingungen in größere Höhen ausweichen, um ihrer klimatischen Nische zu folgen. Dies könnte zu Bestandesrückgängen und schließlich zum Aussterben von lokalen Populationen führen könnte. Andererseits wurde argumentiert, dass viele Pflanzenarten aufgrund der topographischen Komplexität alpiner Regionen nahezu überall entlang des Höhengradienten Mikrorefugien mit geeigneten Temperaturen finden können. Um diese Annahmen zu überprüfen, verwendeten wir Daten von 900 Standorten, an denen die Artenzusammensetzung erhoben und verschiedene Umweltparameter (unter anderem die Bodentemperatur) gemessen wurden. Wir stellten fest, dass die Verbreitung der Arten am besten von Modellen auf Basis von Umweltparametern mittlerer Auflösung abgebildet wurde., Dies kann durch das Zusammenspiel der selektiven Wirkung der abiotischen Standortsbedingungen mit neutralen Prozessen erklärt werden. Hochaufgelöste, nischenbasierte Modelle sind stärker vomUngleichgewicht zwischen dem Vorkommen der Arten und ihrer ökologischen Nische beinflusst. Wir plädieren daher für nischenbasierte Modellierungen auf mittlerer Auflösung oder für die Anwendung komplexerer, prozessbasierter Modelle mit hoher Auflösung. Diese Argumente untermauern wir mit Daten, die den starken Einfluss der Ausbreitungsfähigkeit von Pflanzen auf Besiedlungsdynamiken von Dauerbeobachtungsflächen zeigen. Darüber hinaus zeigen wir, dass kleinräumige Nischenmodelle, trotz der Vielzahl möglicher physiologischer Zusammenhänge zwischen Pflanzen und verschiedenen Aspekten der lokalen Temperatur, nicht besonders empfindlich auf die spezifische Auswahl von Temperaturvariablen reagieren und dass wenige davon ausreichen um viele Arten modellieren zu können. Schließlich zeigen wir, dass das gegenwärtige Vorkommen kälteadaptierter Pflanzengesellschaften in niedrigen Lagen stärker von Substratbedingungen als von der Temperatur abhängt. Insgesamt deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass das Potenzial von Mikrorefugien zur Bewahrung alpiner Pflanzen in Hochgebirgen unter einem sich erwärmenden Klima möglicherweise überschätzt wird.
Kryštof Chytrý (Wed,) studied this question.