Psychoplastogene rücken zunehmend aufgrund ihrer antidepressiven Wirkung in den Fokus der psychopharmakologischen Forschung. Sie modulieren komplexe Veränderungen der funktionellen Konnektivität des Gehirns und fördern eine flexiblere Informationsverarbeitung bei gleichzeitiger Stabilität interner Repräsentationen - ein Mechanismus, der für viele psychische Störungen relevant ist. Diese Substanzen verändern das Bewusstsein stark (Altered State of Consciousness, ASC). Besonders die mystische Komponente, konzeptuell eng verwandt mit der ozeanischen Selbstentgrenzung (OSE), wurde in mehreren Studien direkt mit therapeutischen Effekten in Verbindung gebracht. Unklar bleibt jedoch, ob solche intensiven, teils auch belastenden Erfahrungen tatsächlich notwendig sind, um die beobachteten Symptomverbesserungen zu erzielen. Diese Masterarbeit untersuchte, ob Intensität und Qualität eines Ketamin-induzierten ASCs Veränderungen der Belohnungssensitivität hervorrufen - einem zentralen Aspekt des positiven Valenzsystems und Kernmerkmal der Anhedonie. In einem randomisierten Zwei-Perioden-Crossover-Design erhielten 38 gesunde Teilnehmende subanästhetisches Ketamin und Placebo in getrennten Sitzungen. Die Belohnungssensitivität wurde mit der Dimensional Anhedonia Rating Scale (DARS), der subjektive Bewusstseinszustand mit dem Five-Dimensional Altered States of Consciousness Questionnaire (5D-ASC) erfasst. Die Analysen ergaben keine signifikanten Unterschiede in der Belohnungssensitivität zwischen Ketamin und Placebo (b = -.62, p = .61; Wilcoxon p = .694). Keine der 5D-ASC-Dimensionen vermittelte diesen Zusammenhang, und Bayes’sche Modellvergleiche stützten die Nullhypothese. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ketamin-induzierte Bewusstseinsveränderungen keinen direkten Einfluss auf die Belohnungssensitivität haben. Damit muss die verbreitete Annahme infrage gestellt werden, dass subjektive Bewusstseinsveränderungen grundsätzlich Voraussetzung für die antidepressive Wirkung psychoplastogener Substanzen sind. Möglicherweise spielen neurobiologische und neuropsychologische Mechanismen eine größere Rolle. Zukünftige Studien mit Psilocybin sollten den Einfluss spezifischer Bewusstseinsveränderungen auf klinisch relevante Outcomes untersuchen, um therapeutische Wirkfenster präziser und sicherer bestimmen zu können.
Felix Pascal Griener (Wed,) studied this question.