Im internationalen Geschäftsverkehr sind Verträge häufig zwischen Parteien aus unterschiedlichen Rechtsordnungen geschlossen. Kommt es zu Streitigkeiten, hängt die Auslegung vertraglicher Bestimmungen nicht nur vom genauen Wortlaut, sondern auch vom weiteren Kontext ab. Dies kann zu Auslegungsschwierigkeiten führen, wenn sich Rechtsordnungen in ihrem Umgang mit kontextuellen Faktoren unterscheiden. Diese Arbeit untersucht die Bedeutung und die Grenzen des Kontexts bei der Vertragsauslegung durch einen Vergleich des englischen Common Law mit den zivilrechtlichen Systemen Frankreichs und Deutschlands. Sie beleuchtet die doppelte Funktion des Kontexts: einerseits als Mittel zur Auslegung vertraglicher Klauseln, andererseits als normativer Maßstab, anhand dessen Rechtsordnungen Fairness, Treu und Glauben fördern und Ungleichgewichte korrigieren. Die Untersuchung verbindet eine dogmatische Analyse mit praxisnahen Konstellationen, in denen kontextbezogenes Argumentieren besonders bedeutsam ist. Dazu zählen Allgemeine Geschäftsbedingungen und Adhäsionsverträge, transnationale Rechtsrahmen wie das CISG sowie internationale Schiedsverfahren und digitale Vertragsumgebungen. Trotz methodischer Unterschiede und konzeptioneller Begrenzungen gelangt die Studie zu dem Ergebnis, dass beide Rechtstraditionen auf den Kontext zurückgreifen, um sicherzustellen, dass die Vertragsauslegung den praktischen Anforderungen des Wirtschaftsverkehrs gerecht wird.
Renato Lage Araujo Schweizer (Thu,) studied this question.