Literatur steht in einem direkten Verhältnis zu sozialen, politischen und historischen Prozessen. Sie fungiert als Medium, in dem kollektive Erfahrungen, Machtstrukturen und kulturelle Deutungsmuster erkennbar werden. Jede literarische Produktion enthält ein System von Bedeutungen, das über sprachliche Formen hinausgeht und gesellschaftliche Ordnungen reproduziert oder in Frage stellt. Der literarische Text wird damit zu einem Ort, an dem die Wahrnehmung von Identität, Differenz und Fremdheit verhandelt wird. Innerhalb dieses Diskurses nimmt die Darstellung des ,,Anderen“ eine zentrale Funktion ein. Sie markiert Grenzziehungen zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung und eröffnet die Möglichkeit, kulturelle Hierarchien zu rekonstruieren. Die türkische Kultur, Geschichte und soziale Struktur hingegen werden in zahlreichen deutschsprachigen und internationalen Werken thematisiert. Diese Texte erzeugen Bilder, die politische und kulturelle Machtverhältnisse widerspiegeln. Autoren aus unterschiedlichen Kontexten greifen auf Narrative zurück, in denen sich Konstruktionen des ,,Türkischen“ als Gegenbild zum Eigenen manifestieren. Solche Repräsentationen tragen zur Bildung kollektiver Vorstellungen bei, die den Diskurs über Migration, Zugehörigkeit und nationale Identität bestimmen. Edward Said hat in Orientalism (1978) gezeigt, dass diese Darstellungsformen Teil eines kulturellen Systems sind, in dem Wissen und Macht ineinandergreifen. Seine Theorie bildet einen methodischen Ausgangspunkt für die Analyse literarischer Texte, die kulturelle Differenz thematisieren und dadurch politische Bedeutung erzeugen.
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Davut Dağabakan
Ağrı İbrahim Çeçen University
Jahrbuch für Internationale Germanistik
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Davut Dağabakan (Thu,) studied this question.
synapsesocial.com/papers/6a0ff33bd674f7c03778bbc8 — DOI: https://doi.org/10.3726/jig581_203