Die Fundstätte Ruzina Pecina in Bosnien und Herzegowina gehört zum Paläolithikum. Dort konnten wissenschaftlich Moustérien- und Levallois-Technologien sowie ein Aurignacien-Werkzeug-Komplex nachgewiesen werden, die über 50.000 Jahre alt sind. Dies galt über 40 Jahre lang. In den 1990er Jahren war die wissenschaftliche Forschung in Bosnien und Herzegowina noch nicht sehr weit entwickelt, und Wissenschaftler verwendeten veraltete Methoden zur Beschreibung der Funde aus paläolithischen Fundstätten in dieser Balkanregion. Diese Vorgehensweise führte zu vielen ungelösten Fragen und problematischen Situationen ohne klare Antworten und eindeutige Ergebnisse. Die größten Unklarheiten betrafen die Chronologie der ausgegrabenen Schichten. Damals war die Beschreibung des gefundenen paläolithischen Werkzeug-Komplexes die einzige Möglichkeit, die Besiedlung Dauer der Fundstätte zu bestimmen. Leider wurde die Fundstätte Ruzina Pecina fast 40 Jahre lang als deutlich ältere Stätte angesehen, die in die Zeit der Neandertaler datiert wurde. Die Anwesenheit von Neandertalern in einer Region ist von großer Bedeutung, muss aber mit wissenschaftlichen Methoden überprüft werden. Diese Dissertation lieferte die ersten Belege für die Fundstätte mit hilfe moderner Technologien wie der Radiokohlenstoffdatierung, der Zooarchäologie mittels Massenspektrometrie (ZooMS) und der Isotopenanalyse. Durch diese Arbeit konnte ich zeigen, dass Ruzina Pecina deutlich jünger ist als bisher angenommen, eher in die Epigravettien-Phase der europäischen Vorgeschichte fällt und überhaupt keine Neandertaler-Fundstätte ist. Die Ergebnisse deuten stattdessen darauf hin, dass Ruzina Pecina in die späte Gravettien-, frühe Epigravettien- und Spätglazial Maximum-Periode (SMP) fällt und den Zeitraum von 26.900 bis 19.515 cal BP umfasst. Die ZooMS-Methoden zeigten eine starke Präsenz von Rothirschen. Isotopenanalysen deuten darauf hin, dass sich diese Tiere von einer Paleo-Diät ernährten, die auf nährstoffarmen Gehölzen basierte, während offener lebende Arten (wie der Auerochse) an relativ nährstoffreiche Gräser angepasst waren. Ich fand auch Hinweise auf einen Rotfuchs mit einer charakteristischen fleischfressenden Paleo-Diät, die wahrscheinlich Tiere wie Nagetiere und einige größere Säugetiere umfasste. Die Knochen von Homo sapiens stammen von Neugeborenen mit erhöhten Stickstoffisotopenwerten, die wahrscheinlich auf das Stillen zurückzuführen sind, aber ebenfalls in die Neuzeit (weniger als 200 Jahre) datiert wurden. Zusammengenommen zeigen diese Ergebnisse, dass die Fundstätte Ruzina Pecina eine der wichtigsten jungpaläolithischen Fundstätten in Bosnien und Herzegowina darstellt und in eine Periode von großer Bedeutung fällt. Sie wirft ein neues Licht darauf, wie sich Gruppen von Menschen vor 26.000 bis 19.000 Jahren an gefährliche Klima- und Umwelteinflüsse angepassten.
Alma Kotevski (Thu,) studied this question.