Trotz der Fortschritte in der Behandlung und der Ausweitung der Standardversorgung bleibt die Lungenentzündung eine der Hauptursachen von Mortalität. Sie führt häufig zu Komplikationen wie zu septischem Schock und akutem Atemnotsyndrom (ARDS), die beide mit hohen Todesraten einhergehen. Obwohl die antimikrobielle Therapie den Eckpfeiler der Behandlung darstellt, sind insbesondere bei schwerer ambulant erworbener Pneumonie (AEP) häufig zusätzliche unterstützende Maßnahmen und adjuvante Therapien wie beispielsweise Kortikosteroide erforderlich. Die jüngsten Aktualisierungen der wichtigsten Leitlinien zu AEP, Sepsis, ARDS und kritischer krankheitsbedingter Kortikosteroidinsuffizienz unterstützen im Allgemeinen die Anwendung von Kortikosteroiden bei schwerer AEP. Die 2025 veröffentlichte randomisierte kontrollierte Studie REMAP-CAP konnte jedoch keinen signifikanten Nutzen nachweisen, was sich möglicherweise auf künftige Empfehlungen auswirken wird. Derzeit sollte die Kortikosteroidtherapie je nach Schweregrad der AEP, insbesondere dem Grad der Hypoxämie und der respiratorischen Insuffizienz, individuell angepasst werden. Bei geeigneten Patienten können eine frühzeitige Therapieeinleitung und eine flexible Dauer der Kortikosteroidbehandlung auf Grundlage des klinischen Ansprechens angemessen sein. Bei nicht-bakterieller Lungenentzündung besteht nur für COVID-19 und Pneumocystis jirovecii-Pneumonie bei HIV-infizierten Personen eine starke Evidenz für den Einsatz von Kortikosteroiden. Im Gegensatz dazu sprechen Beobachtungsdaten nicht für die Anwendung von Kortikosteroiden bei Influenza oder Pilzinfektionen. Bei einer AEP, die durch septischen Schock oder ARDS verkompliziert wird, wird die Anwendung von Kortikosteroiden von den aktuellen Leitlinien befürwortet; der empfohlene Zeitpunkt, die Dosierung und die Dauer variieren dabei jedoch. Obwohl eine Kombinationstherapie mit Hydrocortison und Fludrocortison eine mögliche Option darstellt, ist hierfür weitere direkte Evidenz erforderlich. Biomarker wie das C-reaktive Protein sowie in naher Zukunft auch Erkenntnisse über kortikosteroidbedingte Immunreparaturmechanismen bei COVID-19 könnten bei der Identifizierung von auf Kortikosteroide ansprechenden Phänotypen hilfreich sein.
Seitaro Fujishima (Fri,) studied this question.