Genitale Zysten sind seltene Läsionen, die sich in Zahl und Größe zunehmend vorzugsweise an Skrotum oder Vulva entwickeln und im Verlauf kalzifizieren können.1 Ihre Prognose ist insgesamt günstig, da es nur sehr selten zu malignen Transformationen kommt, jedoch sind sekundäre Infektionen beschrieben worden, die bis zur Fourniergangrän und Sepsis führen können.2 Konservative Therapien genitaler Zysten scheinen wenig effektiv.3 Daher kommen fast ausschließlich operative Methoden wie Pinch-Punch-Inzision und Exstirpation einzelner Zysten zum Einsatz.4 Nachteil dieser Methode ist eine hohe Rezidivrate.5 Wir berichten hier über drei Patienten, bei denen die großflächige Exzision der mit Zysten übersäten Genitalhaut mit anschließender Rekonstruktion des Skrotums beziehungsweise der Labien zu einem kosmetisch guten Ergebnis und langfristigem Therapieerfolg führte. Drei Patienten im Alter von 23, 25 und 57 Jahren stellten sich mit zahlreichen rezidivierenden Zysten am Skrotum beziehungsweise an den Labia majora vor. Patient 1, 22 Jahre alt, stellte sich nach insgesamt sieben operativen Eingriffen aufgrund skrotaler Epidermoidzysten, zuletzt vor vier Jahren, erneut vor. Bei der Untersuchung zeigten sich skrotal über 200 Zysten mit einem Durchmesser von bis zu 3 cm (Abbildung 1a,b). Die Zysten lagen median bis etwa 4 cm beidseits der Raphe scroti; zudem bestand eine deutliche Verlängerung des gesamten Skrotums. Patient 2, 25 Jahre alt, stellte sich mit seit der Pubertät bekannten Skrotalzysten vor. Vor 7, 6 und 4 Jahren waren jeweils multiple Skrotalzysten exstirpiert worden. Bei der Vorstellung in unserer Klinik im November 2018 (Abbildung 2a) zeigten sich skrotal multiple, teils konfluierende, gegenüber den Hoden verschiebliche, derbe Knoten mit einem Durchmesser von bis zu 1,5 cm. Die meisten Knoten waren median in unmittelbarer Nähe zur Raphe scroti lokalisiert. Das Skrotum zeigte eine Vergröberung des Hautfaltenreliefs und einen für das junge Alter ungewöhnlichen Überschuss an Haut. Patientin 3, 57 Jahre alt, litt seit der Pubertät unter multiplen Zysten an den Labia majora. Eine operative Therapie war bislang nicht erfolgt. Bei der Untersuchung zeigten sich an den Labia majora etwa 150 teils eröffnete, teils geschlossene Zysten mit einem Durchmesser zwischen 1 und 10 mm (Abbildung 3a). Zudem bestand ein sackförmiger Hautüberschuss der Genitalhaut. Bei allen drei Patienten wurden die medialen zwei Drittel der Skrotalhaut beziehungsweise der Haut der Labia majora exzidiert (Abbildung 1c,d; 2b) und das Skrotum beziehungsweise die Labia majora mittels resorbierbarer, epikutaner Einzelknopfnähte rekonstruiert (Abbildung 1e, 2c). Im weiteren Verlauf stellte sich Patient 2 innerhalb der folgenden 3 Jahre erneut zur Exzision einzelner Zysten vor (Abbildung 2d). Bei Patient 1 und Patientin 3 traten keine Rezidive auf (Abbildung 1f,g; 3b). Genitalzysten können aufgrund ihrer Anzahl und Größe zu Mutilationen des Genitals führen. Von anderen chronischen Erkrankungen der Haut ist bekannt, dass insbesondere eine genitale Beteiligung einen negativen Einfluss auf die sexuelle Gesundheit der Patienten haben und mit Angststörungen und gesteigerter Depressivität korrelieren.6-8 Therapieoptionen genitaler Zysten beschränken sich auf operative Eingriffe wie Pinch-Punch-Exstirpationen einzelner Zysten oder den Einsatz eines CO2-Lasers, mit dem die Zysten eröffnet und anschließend exstirpiert werden.4, 8 Nachteil dieser Therapiemethoden ist die Rezidivrate: Aus kleinsten Zysten, die bei der Operation leicht übersehen werden (Abbildung 1h), entwickeln sich lokale Rezidive.4 Auch bei den beiden in dieser Arbeit dargestellten männlichen Patienten war es nach Pinch‑Punch‑Biopsien von Zysten wiederholt zu ausgedehnten Rezidiven gekommen. Wir beschreiben hier eine Therapiemethode, bei der die Haut des Skrotums beziehungsweise der Labia majora subtotal reseziert und die Oberflächenkontinuität aus der lateral verbliebenen Haut wiederhergestellt wird. Es handelt sich um einen vergleichsweise einfachen und wenig zeitaufwändigen Eingriff, da die Zysten überwiegend oberflächlich liegen. 9 Die tieferliegenden Skrotalhäute müssen daher nicht eröffnet werden. Aufgrund der Größe der resezierten Areale erfolgten die Eingriffe stationär in einer Kombination aus totaler intravenöser Anästhesie und Tumeszenzanästhesie. Durch die Operation wurde die präoperativ deutlich laxe Skrotalhaut beziehungsweise die Haut der Labia majora gestrafft, was von den Patienten als kosmetisch vorteilhaft empfunden wurde. Aufgrund der großen Reservoirfunktion der stark gefältelten Haut des Skrotums und der Labia majora ist es möglich, auch große Hautareale zu resezieren, ohne dass es zu funktionellen Beeinträchtigungen kommt.10-12 Für eine ungestörte Spermatogenese ist es wichtig, dass die Temperatur der Hoden um etwa 2–8 °C niedriger liegt als die Körperkerntemperatur.12 Daher sollten maximal 70% der Haut des Skrotums reseziert werden, damit es nicht zu einer Verlagerung der Hoden kommt, eine ausreichende Kühlung weiterhin stattfinden kann und eine Einschränkung der Spermatogenese vermieden wird.4, 10-12 Im Verlauf von 3–5 Jahren stellte sich Patient 2 erneut zur Resektion einzelner Zysten auf ansonsten unauffälliger Skrotalhaut vor; bei keinem der Patienten kam es zu einem fulminanten Rezidiv der Erkrankung. Ähnliche Ergebnisse berichten Noel et al., die nach subtotaler Exzision der Skrotalhaut in einer einjährigen Nachbeobachtung keine neuen Läsionen beobachteten.13 Vor der Operation sollten die Vor- und Nachteile des Eingriffs ausführlich besprochen werden: Der Eingriff ist mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden; zudem sollten die Patienten über die postoperativ möglicherweise eingeschränkte Spermatogenese aufgeklärt werden. Bei nicht abgeschlossener Familienplanung ist eine Empfehlung zur Kryokonservierung angezeigt. Nach Auffassung der Autoren rechtfertigt das gute kosmetische Ergebnis bei einer ansonsten mutilierenden Erkrankung diesen aufwändigeren Eingriff. Keiner.
Sipos et al. (Sun,) studied this question.