Die Erstspracherosion (First Language Attrition) stellt die Annahme infrage, dass die muttersprachliche Kompetenz im Erwachsenenalter stabil bleibt, während der Beitrag individueller kognitiver Unterschiede bislang unzureichend geklärt ist. Insbesondere die Sprachbegabung (Language Aptitude), ein etablierter Prädiktor des Zweitspracherwerbs, wurde in der Forschung zur Erstspracherosion nur begrenzt untersucht und lieferte uneinheitliche Ergebnisse. Ziel dieser Studie war es, zu prüfen, ob Sprachbegabung den Grad des lexikalischen L1-Spracherhalts bei Spätbilingualen vorhersagt. In einem quantitativen, korrelativen Design wurden Daten von 34 spätbilingualen griechisch–deutsch Sprecher:innen im deutschsprachigen Raum erhoben. Die Sprachbegabung wurde mithilfe einer Vokabellernaufgabe aus der LLAMA-Testbatterie erfasst, während der lexikalische L1-Spracherhalt durch eine Bildbenennungsaufgabe gemessen wurde, die sowohl die Korrektheit als auch die Reaktionszeiten erfasste. Die Ergebnisse zeigten keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Sprachbegabung und Spracherhalt. Explorative Analysen deuteten hingegen darauf hin, dass erfahrungsbasierte Faktoren, insbesondere die Häufigkeit der L2-Nutzung, stärker mit dem L1-Spracherhalt assoziiert sind als die Sprachbegabung. Die Ergebnisse stützen Ansätze, die Erstspracherosion primär als verarbeitungs- und nutzungsbasiertes Phänomen begreifen, und unterstreichen die Schwierigkeit, Begabungseffekte in der Attritionsforschung eindeutig zu isolieren. Diese Studie trägt zu einem differenzierten Verständnis der individuellen Variabilität beim L1-Spracherhalt von bilingualen Sprecher:innen bei und weist auf den Bedarf weiterer Forschung mit größeren Stichproben, neurokognitiven Messverfahren hin.
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Eleni Zotou
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Eleni Zotou (Thu,) studied this question.
synapsesocial.com/papers/69b606ea83145bc643d1d792 — DOI: https://doi.org/10.25365/thesis.80630