Neuropsychologische Verfahren zur Erfassung kognitiver Veränderungen, etwa im Rahmen von Alterungsprozessen oder neurologischen Erkrankungen, basieren bislang überwiegend auf Papier-Bleistift-Tests. Zu den etablierten Standardverfahren zählt der Trail-Making-Test (TMT), der in zwei Untertests die kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit (TMT-A) sowie die Aufgabenwechselfähigkeit als exekutive Funktion (TMT-B) erfasst. Dabei werden in Teil A Zahlen in aufsteigender Reihenfolge verbunden, während in Teil B ein Wechsel zwischen Zahlen und Buchstaben erfolgt. Trotz seiner weiten Verbreitung weist die klassische Testform mehrere Limitationen auf. Zum einen erfordert sie ausgeprägte feinmotorische Fähigkeiten, wodurch insbesondere ältere Personen oder Patienten mit motorischen Einschränkungen in ihrer Leistung beeinflusst werden können. Dies kann die Validität der Messung kognitiver Funktionen beeinträchtigen. Zum anderen wird ausschließlich die Gesamtbearbeitungszeit erfasst, während differenziertere Prozessparameter unberücksichtigt bleiben. Zudem erfolgt Instruktion und Auswertung durch den Untersucher, was potenziell zu Variationen in der Testdurchführung führt. Die Nutzung virtueller Realität bietet hier innovative Ansätze. In einer VR-basierten Version des TMT werden die Aufgaben visuell im Blickfeld der Probanden präsentiert und mittels integrierter Blickmessung bearbeitet. Dadurch lässt sich die Leistung unabhängig von handmotorischen Anforderungen erfassen. Gleichzeitig ermöglicht die Aufzeichnung von Blickbewegungen und Fixationen eine differenzierte Analyse zusätzlicher Parameter wie Fixationsdauer, Sakkadeneigenschaften und Pupillenveränderungen. Darüber hinaus erlaubt die VR-Technologie eine automatisierte Instruktion und Auswertung sowie eine weitgehende Unabhängigkeit von Umgebungsbedingungen, was zu einer höheren Standardisierung der Testung führt.
Marie Höyer (Wed,) studied this question.