Unsere Fähigkeit, die emotionalen Zustände anderer, ob spontan oder absichtlich, nachzuvollziehen, ermöglicht auch die Übertragung psychosozialen Stresses von einer Person auf eine andere. Dieses Phänomen, bekannt als empathischer Stress, kann eine adaptive Funktion erfüllen, indem es Individuen motiviert, sich gegenseitig bei der Bewältigung von Belastung zu unterstützen und die notwendige Energie zu mobilisieren, um eine gemeinsame Herausforderung zu meistern. Wenn sich empathischer Stress jedoch unkontrolliert innerhalb einer sozialen Gruppe ausbreitet, insbesondere unter Bedingungen chronischen Stresses, kann dies langfristige Folgen für das Wohlbefinden der Gruppenmitglieder haben. Diese Dissertation untersucht die Übertragung psychosozialen Stresses von Eltern auf Kinder im Alter von 8 bis 16 Jahren, wobei die Familie als zentraler Kontext für empathischen Stress im Fokus steht. In vier empirischen Studien wird sowohl das Ausmaß der Stressübertragung als auch mögliche moderierende Faktoren wie Empathie, Entwicklungsstand, Bindung und physiologische Abstimmung untersucht. Insgesamt war die Übertragung akuten psychosozialen Stresses von Eltern auf Kinder weniger stark ausgeprägt als in früheren Studien mit romantischen Partnern. Dennoch wurden bestimmte Komponenten der empathischen Stressreaktion durch die kognitive Empathie der Kinder, die Art der Eltern-Kind-Dyade, Bindungsmuster und physiologische Abstimmung beeinflusst. Auch wenn die genauen Mechanismen der Stressübertragung komplex und nur teilweise geklärt sind, liefern die Studien wertvolle Erkenntnisse. Abschließend stellt diese Dissertation einen wichtigen Schritt zum besseren Verständnis der Reproduktion von Stress innerhalb des Familiensystems dar. Sie ebnet zudem den Weg für zukünftige theoretische und methodische Weiterentwicklungen im Bereich der empathischen Stressübertragung.
Jost Ulrich Blasberg (Wed,) studied this question.