Der Beitrag untersucht die Entstehung und Entwicklung politischer Wiegenlieder im 19. Jahrhundert in verschiedenen europäischen Kulturen. Ausgehend von frühen polnischen Beispielen, in denen Mütter ihre Söhne zugleich trösten und zu zukünftigen Freiheitskämpfern erziehen, zeigt die Studie, wie sich das Genre im Kontext nationaler Bewegungen, sozialer Umbrüche und imperialer Herrschaft ausbreitete. Deutsche, polnische, ukrainische, russische und jiddische Texte greifen dabei auf gemeinsame Motive zurück, etwa Klage über Unterdrückung, Erinnerung an gefallene Helden, Warnung vor drohendem Leid und Appelle an Widerstand oder nationale Loyalität. Zugleich entstehen unabhängig voneinander neue Formen, zum Beispiel fatalistische Parodien im Russland des 19. Jahrhunderts oder jiddische Bearbeitungen, die Erfahrungen von Rekrutierung und Migration verarbeiten.
M. Beckers (Wed,) studied this question.