Sowohl diagnostisch als auch therapeutisch gehören kutane Lymphome zu den herausforderndsten Diagnosen des dermatologischen Spektrums. Das liegt zum einen darin begründet, dass morphologisch, histologisch und biologisch eine Ähnlichkeit und Verwandtschaft zu anderen, viel häufigeren Diagnosen wie den Ekzemerkrankungen oder der Psoriasis besteht, die die Diagnosestellung erschwert. Zum anderen komplizieren Limitationen bei den bisherigen Behandlungsoptionen und per se hohe Rezidivraten bei den meisten kutanen Lymphomen das therapeutische Spektrum für diese Erkrankungsgruppe. Eine aktuelle Studie von El Najjarine et al. in dieser Ausgabe des JDDG stimmt diesbezüglich aber hoffnungsvoll, indem sie anhand von epidemiologischen Daten zeigt, dass wir sowohl in der Diagnosestellung als auch in der Therapie kutaner Lymphome in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht haben.1 Die Studie wertet altersstandardisierte Inzidenzraten und relative Überlebensraten von Patientinnen und Patienten mit kutanen Lymphomen aus dem nordrhein-westfälischen Krebsregister aus, das Daten einer Bevölkerungsgruppe von 18 Millionen Menschen und damit über 20% der Gesamtbevölkerung Deutschlands umfasst. Dabei konnten fast 4000 Patientinnen und Patienten mit kutanen Lymphomen identifiziert werden. Berücksichtigt werden in dieser Auswertung Daten und Tendenzen der Jahre 2008 bis 2021. Zunächst ist es als Qualitätsmerkmal der Studie zu nennen, dass sie die Ergebnisse anderer großer internationaler Studien in Bezug auf epidemiologische Daten weitgehend bestätigt und damit keine Zweifel an ihrer Systematik oder Methodik lässt.2, 3 Dabei zeigt sich die Inzidenz mit ca. 1/100.000 Personenjahre weitgehend stabil, genauso wie die Verteilung der Subentitäten kutaner Lymphome mit ca. 70% T-Zell-Erkrankungen (CTCL) und ca. 25% aller Lymphome B-lymphozytären Ursprungs (CBCL), was sich vergleichbar mit anderen internationalen Datenerhebungen zeigt.3 Das allein ist noch nicht allzu überraschend oder gar bahnbrechend. Besonders interessant sind aber zwei Beobachtungen in der Studie, die einerseits die Verbesserung in der Diagnostik in den letzten Jahren widerspiegeln, andererseits aber auch zeigen, dass die Therapie stetig größere Erfolge in Bezug auf das Überleben der Patienten, speziell in höheren Stadien der Erkrankung, erzielt. Die erste Beobachtung ist, dass die Inzidenz sowohl der CBCL als auch der CTCL geschlechtsunabhängig seit 2008 stetig angestiegen ist. Dies bestätigt Daten aus anderen Ländern beziehnungsweise Krebsregistern.2, 4 Hierzu gab es in den letzten Jahren zahlreiche Diskussionen und Spekulationen über mögliche Pathogene oder Umweltfaktoren als Auslöser, die möglicherweise die steigenden Inzidenzraten erklären könnten. Die entsprechenden Untersuchungen und Forschungsprojekte zeigten allerdings keine konklusiven Ergebnisse oder Beweise dieser Theorien. Viel wahrscheinlicher und deshalb auch unter Experten inzwischen weitgehend akzeptiert ist als Ursache für diese steigenden Inzidenzraten, dass die verbesserten diagnostischen Möglichkeiten mit neuen Markern und molekularbiologischen Methoden sowie die zunehmende Breite an Subentitäten in den Lymphomklassifikationen die Diagnosestellung häufiger macht und nun auch ermöglicht, dass vormals unklare Befunde nun eindeutiger einer Lymphomdiagnose zuzuordnen sind. Deshalb stellen diese auf den ersten Blick besorgniserregenden Anstiege der Inzidenzraten letztendlich für unsere Patienten ein sehr positives Zeichen dar, da sie dadurch von der höheren diagnostischen Klarheit und der differenzierteren Klassifizierung der Subentitäten in Bezug auf das weitere Erkrankungsmanagement profitieren können. Das zweite wichtige Ergebnis der vorgestellten Studie ist die Entwicklung der Überlebensraten von Patientinnen und Patienten mit kutanen Lymphomen, speziell für aggressive Lymphome oder höhere Erkrankungsstadien. Wenig überraschend sind hier die 5-Jahres-Überlebensraten von über 90% bei der Mycosis fungoides, den CD30+ T-lymphoproliferativen Erkrankungen sowie den indolenten CBCL. Diese Ergebnisse bestätigen die Literatur und spiegeln wider, dass hier der Erkrankungsverlauf zumeist nicht sehr kompliziert und die Behandlung nicht zu herausfordernd sind. Besonders interessant ist allerdings, dass das 5-Jahres-Überleben beim Sézary-Syndrom, der leukämischen Variante des CTCL, das eher durch einen komplizierteren Verlauf und diffizileres Therapiemanagement gekennzeichnet ist, mit 53% gegenüber historischen Kontrollen von vor über fünf Jahren deutlich angestiegen ist.5 Diesen Anstieg zeigen weitere rezente Studien aus anderen Ländern ebenfalls.6-8 Die internationale PROCLIPI-Studie bestätigt im Vergleich zwischen 2015 und 2025 diesen Anstieg für CTCL in höheren Stadien sogar in einem einheitlichen Studiensetting.5, 9 Diese Verbesserung der Überlebensraten ist sicher kein Zufall, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach auf ein verbessertes therapeutisches Spektrum zurückzuführen, das seit einigen Jahren weg von klassischer Chemotherapie hin zu neuen Antikörperbehandlungen, immunologischen Therapieoptionen und zielgerichteten Kombinationstherapien führt, für die ein positiver Einfluss auf das Gesamtüberleben gezeigt werden konnte.8 Für CTCL werden weiter zahlreiche neue Therapieoptionen entwickelt, die sich in präklinischer oder klinischer Prüfung befinden, so dass hier für unsere Patientinnen und Patienten nicht nur in diagnostischer, sondern auch in therapeutischer Hinsicht eine sehr positive und Hoffnung generierende Entwicklung zu verzeichnen ist, die die aktuelle Studie von El Najjarine eindrucksvoll widerspiegelt. Gleichzeitig zeigt die Studie aber auch, dass bei aller Verbesserung in Diagnostik und Therapie der CTCL die Behandlung aggressiver CBCL, speziell des diffus großzelligen Lymphoms vom Beintyp (DLBCL, LT) in den letzten Jahren keine messbare Verbesserung erfahren hat. Die präsentierten Überlebensraten in den aktuellen Studien weichen nicht nennenswert von denen aus der Literatur ab. Dies sollte für uns ein Aufruf sein, die neuen Therapieoptionen, die für nicht-kutane DLBCL zur Verfügung stehen, wie neue Fusionsantikörper, zelluläre Therapien wie die CAR-T-Zell-Behandlung sowie zielgerichtete Kleinmoleküle in enger Rückkopplung mit unsere hämatoonkologischen Kolleginnen und Kollegen stärker zu evaluieren und gegebenenfalls einzusetzen. Insgesamt zeigt die Studie also überzeugend, dass einerseits eine intensive Forschungsaktivität und enge Vernetzung innerhalb der Expertencommunity bei komplexen Erkrankungsbildern wie den kutanen Lymphomen sowohl in diagnostischer als auch in therapeutischer Hinsicht deutliche, epidemiologisch messbare Verbesserungen erzielt. Andererseits muss sie auch als Aufruf verstanden werden, diese Erfolge nicht als ausreichend zu betrachten, sondern im Interesse unserer Patientinnen und Patienten durch weitere präklinische und klinische Forschung die Fortschritte zu optimieren und die Verbesserungspotentiale auszuschöpfen.
Jan P. Nicolay (Sun,) studied this question.