Diese Masterarbeit untersucht die folgende Forschungsfrage: Inwiefern werden die Selbstwahrnehmungen türkischer uns US-amerikanischer Staatsangehöriger als Migrant:innen in Wien, Österreich, durch ihre Interaktionen mit staatlichen Institutionen beeinflusst? Zur Beantwortung dieser Frage werden die gelebten Erfahrungen türkischer und US-amerikanischer Staatsangehöriger mit Wohnsitz in Wien vergleichend analysiert, wobei der Fokus auf ihren Begegnungen mit der Wiener Migrationsbehörde (Magistratsabteilung 35, kurz MA 35) und migrationskritischen soziopolitischen Diskursen. Die Forschungsergebnisse zeigen gemeinsame und divergierende Muster. Beide Gruppen berichten von ähnlichen bürokratischen Erfahrungen mit der MA 35 und Begegnungen mit migrationskritischem Diskurs in Österreich. Unterschiede zeigen sich jedoch darin, wie diese Erfahrungen ihre Selbstwahrnehmung prägen. Besonders die Reaktionen auf ihren Gebrauch von Deutsch als Fremdsprache—die sie häufig mit äußerem Erscheinungsbild und dem breiteren politischen Kontext Österreichs verknüpfen—dienen als Ausgangspunkt für die Erklärung der Konstruktion ihrer Selbstwahrnehmung. Türkische Staatsangehörige deuteten institutionelle Interaktionen häufiger als Teil migrationskritischer Narrative, während US-amerikanische Staatsangehörige sie eher als Ausdruck bürokratischer Abläufe, denn als gezielte Ausgrenzung verstanden. Drei zentrale anthropologische Theorien unterstützen diese Arbeit: Difference Making, die Anthropologie der Bürokratie und politische Imaginationen. Untersucht wird, wie staatliche Institutionen und öffentliche Diskurse Bilder von „den Migrant:innen“ konstruieren und verfestigen und wie Individuen diese Konstruktionen interpretieren und in der Formung ihrer Selbstwahrnehmung aushandeln. Die qualitative, vergleichende Analyse basiert sich auf dreizehn leitfadengestützten Interviews mit sechs US-amerikanischen und sieben türkischen Staatsangehörigen und wird durch eine kontextuelle Analyse einschlägiger Quellen ergänzt. Diese Masterarbeit leitet durch die vergleichende Analyse migrantischer Erfahrungen nach Staatsangehörigkeit in Wien einen Beitrag zu einem bislang wenig erforschten Bereich. Sie erweitert das Verständnis der Rolle staatlicher Institutionen und soziopolitischer Migrationsnarrative bei der aktiven Mitgestaltung migrantischer Selbstverständnisse und ihrer Selbstwahrnehmungen in Wien, Österreich.
Julia Eleanor Petron (Thu,) studied this question.