Zusammenfassung Die Kapitalmarktbeteiligung privater Haushalte in Deutschland ist trotz vergleichsweiser hoher finanzieller Bildung der Bevölkerung gering. Empirische Evidenz belegt, dass Finanzwissen zwar wichtig, aber kein hinreichender Erklärungsfaktor für Anlageverhalten ist. Aufbauend auf dem Ansatz von Malmendier und Nagel (2011) übertragen Karin Li, Ulrike Malmendier, Claudia Schaffranka und Milena Schwarz die Analyse von Erfahrungseffekten auf dem Kapitalmarkt erstmals systematisch auf Deutschland. Basierend auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels zeigen sie, dass die Teilnahme am Kapitalmarkt umso wahrscheinlicher ist, je höher die im bisherigen Leben erfahrenen Aktienrenditen waren. Zudem haben negative Erfahrungen mit dem Börsengang der Deutschen Telekom langfristige Narbeneffekte erzeugt, die sich in einer geringeren Kapitalmarktbeteiligung und einer stärkeren Reaktion auf spätere negative Marktereignisse zeigen. Internationale Erfahrungen deuten darauf hin, dass eine kapitalgedeckte Altersvorsorge mit automatischer Teilnahme und geeigneten Default-Optionen positive Erfahrungseffekte fördern kann. Vor diesem Hintergrund erörtern die Autorinnen die für Deutschland geplante Frühstart-Rente als einen konkreten Ansatz zur Stärkung der Kapitalmarktbeteiligung in Deutschland.
Li et al. (Wed,) studied this question.