Diese Masterarbeit untersucht, inwiefern die Beteiligung von Ente Nazionale Idrocarburi (ENI) an sambischen Öl-Infrastrukturprojekten, insbesondere an der TAZAMA Pipeline und der INDENI Refinery, die energiebezogenen Abhängigkeitsstrukturen Sambias zwischen den späten 1960er- und mittleren 1970er-Jahren prägte. Es wird analysiert, auf welche Weise diese Kooperation neo-koloniale oder neo-imperiale Dominanzmuster reproduzierte oder vielmehr Formen postkolonialer Handlungsmacht unter strukturell ungleichen globalen Bedingungen eröffnete. Verankert in einem politökonomischen Analyseansatz und einem globalhistorischen Forschungsrahmen wird quellenbasiert gearbeitet. Unter Heranziehung von italienischen Unternehmensarchiven, finanzhistorischen Dokumenten sowie regierungsnahen Publikationen aus Sambia und Tansania werden italienische, sambische und tansanische Entscheidungsprozesse auf makro-, meso- und mikroanalytischer Ebene rekonstruiert. Ich argumentiere, dass in dieser Arbeit untersuchten Projekte Sambias Abhängigkeit von verwundbaren kolonialen Transportkorridoren verringerten und die formale staatliche Kontrolle über strategische Infrastrukturen konsolidierten. Gleichzeitig etablierten sie neue Formen finanzieller und technologischer Abhängigkeit durch Kreditarrangements, kapitalintensive Ausgestaltung sowie langfristiger Wartungsbedarf, die durch eine von ENI koordinierte Unternehmens- und Staatsstrategie geprägt waren. Sambische und tansanische Entscheidungsträger verhandelten Eigentumsmodelle und Finanzierungs- bedingungen strategisch, um nationale Entwicklungsziele unter strukturellen Restriktionen zu verfolgen. In der Arbeit wird argumentiert, dass die Energiekooperation eine historisch spezifische und ausgehandelte Umgestaltung von Abhängigkeit darstellte und weder als eindeutiger Fall von Dominanz noch als Emanzipation im Rahmen der globalen politischen Ökonomie zu verstehen ist.
Aurelia Maria Flores Ascione (Thu,) studied this question.