Dieses Papier schlägt die Filamenttheorie des Bewusstseins vor, die Bewusstsein nicht als Ergebnis der Informationsintegration oder globalen Verbreitung definiert, sondern als einen autonomen rechnerischen Faden, der unabhängig von sensorischen Eingaben operiert. Wichtige bestehende Theorien wie die Integrierte Informationstheorie (IIT) und die Globale Neuronale Arbeitsraumtheorie (GNWT) betrachten sensorische Integration und großflächige Netzwerkaktivität als notwendige und hinreichende Bedingungen für Bewusstsein. Allerdings vermischen diese Rahmen zwei grundsätzlich unterschiedliche Aspekte: die Inhalte des Bewusstseins (Darstellung) und das beobachtende Subjekt (Kern). In dieser Studie wird eine phänomenologische Fallstudie zur transienten zerebralen Ischämie (orthostatische Ohnmacht) verwendet, um die sequentielle Dissoziation von Wahrnehmung, räumlichen Koordinaten und motorischer Kontrolle zu analysieren. Selbst unter extremen Bedingungen, bei denen die externe sensorische Darstellung stark beeinträchtigt wird und die von bestehenden Theorien angenommenen großflächigen integrativen Prozesse zusammenbrechen, bleibt ein klarer metakognitiver Beobachter erhalten. Diese persistente Struktur wird hier als modalitiesübergreifender Kernprozess interpretiert, der als Filamentkern bezeichnet wird. Aus neurophysiologischer Perspektive konzeptualisieren wir diesen Kern als thalamo-frontalen resonanten Faden, der durch frontale Mittellinien-Theta-Oszillationen (Fmθ) gekennzeichnet ist. Basierend auf kürzlich gewonnenen Erkenntnissen aus subkortikalen menschlichen Aufzeichnungen schlagen wir vor, dass Fmθ eine vertikale Phasensynchronisation zwischen dem dorsalen anterioren cingulären Kortex (dACC) und hochrangigen Thalamuskernen darstellt, die eine autonome rechnerische Einheit bildet. Weiterhin schlagen wir eine funktionelle und metabolische Entkopplung zwischen diesem niederfrequenten, energieeffizienten Kern und der kostenintensiven, parietalen alphaabhängigen Darstellungsschicht vor, die für Körper-Selbstwahrnehmung und Wahrnehmungsintegration verantwortlich ist. Innerhalb dieses Rahmens wird das gewöhnliche Bewusstsein als eingebetteter Zustand definiert, während Minimale Phänomenale Erfahrung (MPE) als das Fortbestehen des Kerns während eines vollständigen Zusammenbruchs der Darstellung verstanden wird. Basierend auf dieser Unterscheidung schlagen wir eine Revision der diagnostischen Paradigmen für Bewusstseinsstörungen (DOC) vor. Anstatt sich ausschließlich auf beobachtbare Verhaltensausgaben zu stützen, dient das Vorhandensein dieser thalamo-frontalen Theta-Resonanz als physiologischer Indikator für erhaltenes internes Bewusstsein. Dieses Modell führt daher ein neues klinisches und ethisches Rahmenwerk zur Bewertung des Fortbestehens des Bewusstseins bei Personen ein, die sowohl die sensorische Integration als auch die externe Responsivität verloren haben.
Lilith Calm - Grapes (Sun,) untersuchte diese Fragestellung.