Vier Artikel zum Themenkomplex Klimarisiken und Versicherungen bilden die Grundlage dieser Arbeit: Sie umfassen die Modellierung von physischen und transitorischen Klimarisiken, deren potenziell verstärkenden Abhängigkeiten, die Integration dieser Risiken in die Solvabilitätsbewertung und die Optimierung der Kapitalanlagestruktur im Hinblick auf Klimastresstests. Motiviert durch den ersten europäischen Klimastresstest für Pensionskassen und Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung im Jahr 2022 entwickeln wir im ersten Artikel einen vereinfachten Modellierungsansatz, der physische Risiken von Schadenversicherern mit den Transitionsrisiken einer sofortigen und ungeordneten Übergangsphase verknüpft, wobei Copulas mit Tail-Abhängigkeit zur Modellierung verwendet werden. Die numerischen Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung klimabedingter Abhängigkeiten zwischen Kapitalanlagen und Verbindlichkeiten im Hinblick auf Solvenzrisiken. Zudem wird der Einfluss von Rückversicherungen und risikoadjustierter Prämienkalkulation analysiert, die zwar bei physischen Klimarisiken eine deutliche Risikominderung bewirken, jedoch bei Transitionsrisiken weniger wirksam sind. Der zweite Artikel untersucht zum einen, wie finanzielle Transitionsrisiken mithilfe eines zeitabhängigen stochastischen Transitionsprozesses modelliert werden können. Zum anderen wird das Risiko einer verstärkenden Abhängigkeit zwischen physischen und Transitionsrisiken in ein mehrjähriges Unternehmensmodell eines Schadenversicherers integriert. Diese verstärkende Abhängigkeit beschreibt, dass mit der Zunahme von physischen Klimarisiken auch die Dringlichkeit und das Bewusstsein für Klimaschutzmaßnahmen steigen, was zu einer wechselseitigen Verstärkung dieser Faktoren führen kann. Die numerischen Ergebnisse zeigen, dass die Asset-Allokation, die Unmittelbarkeit von Marktreaktionen auf physische Risiken und die Wahl des Transitionsprozesses sowie die Berücksichtigung von verstärkenden Abhängigkeiten einen erheblichen Einfluss auf den Profit der Versicherer haben, noch stärker jedoch auf die Insolvenzwahrscheinlichkeit. Im dritten Artikel werden die Modellierungsansätze der vorherigen zwei Arbeiten kombiniert und in einen Solvenzmanagementansatz für die Kapitalanlagen von Schadenversicherern integriert. Durch den Einsatz von Copulas mit Tail-Abhängigkeit wird untersucht, wie das Zusammenspiel von physischen und Transitionsrisiken die finanzielle Stabilität beeinflusst, insbesondere im Hinblick auf zusätzlich erforderliche Erträge für Kapitalanlageportfolios, um Solvenzanforderungen einzuhalten. Die Ergebnisse heben die Bedeutung nichtlinearer Abhängigkeiten hervor und bieten Einblick in die quantitativen Auswirkungen von Klimarisiken auf zulässige Portfoliozusammensetzungen, einschließlich der Entwicklung von „braunen" und „grünen" Kapitalanlagen, die sich in ihrer Sensitivität gegenüber Transitionsrisiken unterscheiden. Basierend auf den Erkenntnissen des dritten Artikels und den 2024 veröffentlichten Ergebnissen des ersten europaweiten Klimastresstests für die Finanzbranche (Fit-for-55 Climate Scenario Analysis) untersucht der vierte Artikel, wie dynamische Anpassungsmaßnahmen von Versicherern auf Klimarisiken in den Stresstest integriert werden können. Das Ziel ist es, eine optimale CO2-Schwelle zu bestimmen, ab welcher „braune" Investitionen abgestoßen und in andere Sektoren reinvestiert werden sollten. Obwohl solche Investitionen Diversifikationspotenzial bieten und somit das Marktrisiko für das Anlageportfolio senken können, erleiden sie je nach eintretendem Transitionsszenario unterschiedlich hohe Verluste. Hierfür wird eine stochastische Optimierung auf Basis der aktuellsten Prognosen zu szenarioabhängigen Entwicklungen von Klimaschäden und CO2-Emissionen durchgeführt. Die Ergebnisse legen nahe, dass der gewinnmaximierende Ausstiegszeitpunkt bereits bei einer atmosphärischen CO2-Konzentration 426 parts per million (ppm) erreicht ist, während im Hinblick auf Minimierung des Solvenzrisikos ein Ausstieg erst ab einer CO2-Konzentrationsschwelle von 439 ppm optimal ist.
Onur Özdil (Fri,) studied this question.
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