Ziel: Stress und soziale Interaktionen sind zentrale Bestandteile des täglichen Lebens und üben jeweils einen erheblichen Einfluss auf die psychische und physische Gesundheit aus. Zwischen beiden besteht eine komplexe Wechselbeziehung, in der sie sich gegenseitig sowohl positiv als auch negativ beeinflussen können. In dieser Masterarbeit wurde der Zusammenhang zwischen Stressempfinden und der Qualität sozialer Interaktionen im Alltag untersucht. Insbesondere wurde geprüft, ob Stress Veränderungen in der Positivität und Negativität sozialer Interaktionen vorhersagt, oder umgekehrt. Methode: Unter Verwendung eines Ecological Momentary Assessment Designs wurden über einen Zeitraum von 30 Tagen Daten von männlichen und über einen Menstruationszyklus Daten von weiblichen Teilnehmenden erhoben. Jeden Abend berichteten die 69 Personen über ihr Stressempfinden sowie über die Anzahl positiver und negativer sozialer Interaktionen des jeweiligen Tages, wodurch insgesamt 1820 gültige Beobachtungen entstanden. Mithilfe von Mehrebenenanalysen wurden Zusammenhänge innerhalb desselben Tages sowie zwischen aufeinanderfolgenden Tagen untersucht, wobei Autokorrelation, Geschlecht und langfristiger Stress kontrolliert wurden. Ergebnisse: Ein höheres tägliches Stressempfinden war signifikant mit einem geringeren Verhältnis von positiven zu negativen sozialen Interaktionen am selben Tag assoziiert. In den Analysen über mehrere Tage hinweg zeigten sich keine verzögerten Effekte. Es gab jedoch eine nicht signifikante Tendenz, die darauf hindeutete, dass höherer Stress möglicherweise ein niedrigeres Verhältnis positiver zu negativer Interaktionen am Folgetag vorhersagen könnte. Dieser Trend zeigte sich nicht für die umgekehrte Richtung. Fazit: Es zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen Stress und der Qualität sozialer Interaktionen am selben Tag. Eine Vorhersage über mehrere Tage hinweg war jedoch nicht möglich. Subtile Tendenzen deuten auf potenzielle verzögerte Effekte von Stress auf nachfolgende soziale Erfahrungen hin, die in zukünftigen Erhebungen weiter geprüft werden sollten.
Janina Marleen Gresser (Wed,) studied this question.