Diese Dissertation beleuchtet eine kritische Lücke in der Literatur zum Supply Chain Management (SCM): die Erkenntnis, dass die Einführung fortschrittlicher digitaler Technologien, einschließlich Künstlicher Intelligenz (KI), Blockchain und dem Internet der Dinge (IoT), nicht automatisch zu nachhaltigen Ergebnissen führt. Während diese Technologien das Potenzial haben, Effizienz und Transparenz zu verbessern, argumentiert die Forschung, dass sie ohne robuste relationale Rahmenbedingungen oft nicht die gewünschten sozialen und ökologischen Vorteile liefern. Infolgedessen konzipiert diese Arbeit Lieferketten neu als komplexe soziotechnische Systeme statt als rein technische Einheiten und stellt damit die vorherrschende Vorstellung des technologischen Determinismus in Frage. Die zentrale These besagt, dass Sozialkapital, welches Vertrauen, gemeinsame Normen und Netzwerkstrukturen umfasst, ein entscheidendes Element ist, dass die Übersetzung digitaler Fähigkeiten in kollektive und nachhaltige Ergebnisse ermöglicht. Um dies zu untermauern, nutzt die Forschung einen methodischen Triangulationsansatz über vier Studien hinweg: eine bibliometrische Analyse, die die Entwicklung des Feldes von 2003 bis 2025 nachzeichnet; eine systematische Literaturrecherche von 62 Artikeln mit Fokus auf Schwellenländer; eine Querschnittsumfrage unter 150 Fachleuten der Lieferkette unter Anwendung der partial least suqare-Strukturgleichungsmodellierung (PLS-SEM); sowie eine „Big Data“-Analyse von über 745.000 Tweets zur Erfassung der öffentlichen Stimmung. Die Ergebnisse offenbaren eine komplexe Realität, in der sich die Erfolgsfaktoren je nach wirtschaftlichem Kontext erheblich unterscheiden. In fortgeschrittenen Volkswirtschaften mit etablierten Institutionen ist das kognitive Sozialkapital (gekennzeichnet durch gemeinsame Visionen und Werte) der primäre Vermittler für die Umweltleistung, was darauf hindeutet, dass die Angleichung der Organisationskultur in Umgebungen mit bestehender digitaler Infrastruktur von entscheidender Bedeutung ist. Darüber hinaus ist relationales Kapital (Vertrauen) für das Erreichen von Zielen der sozialen Verantwortung unerlässlich, selbst in vertragsorientierten westlichen Märkten. Im Gegensatz dazu stehen Entwicklungsländer vor einer einzigartigen Herausforderung, die als „inaktive Vermittler“ (unactivated mediators) bezeichnet wird. Obwohl diese Regionen über starke Gemeinschaftsnetzwerke (strukturelles Kapital) verfügen, sind diese häufig von digitalen Initiativen abgekoppelt; infolgedessen verbessern digitale Technologien zwar die betriebliche Effizienz, nutzen jedoch oft nicht die lokale soziale Resilienz, die für eine breitere Entwicklung notwendig wäre. Zusätzlich deutet eine Analyse von Diskussionen in sozialen Medien auf eine wachsende öffentliche Erwartung hin, dass digitale Technologien Rechenschaftspflicht und ethische Beschaffung verbessern sollten, wobei Innovation direkt mit relationalen Werten wie Vertrauen verknüpft wird. Schließlich trägt diese Arbeit zum theoretischen Verständnis bei, indem sie illustriert, dass die Elemente des Sozialkapitals (strukturell, kognitiv und relational) nicht einheitlich funktionieren, sondern je nach wirtschaftlichem Umfeld unterschiedliche und manchmal widersprüchliche Rollen spielen. Aus praktischer Sicht warnt die Dissertation davor, dass bloße Investitionen in Technologie nicht ausreichen, um echte Nachhaltigkeit zu erreichen. Sie rät Managern, „relationale Infrastrukturen“ zu fördern, wie etwa funktionsübergreifende Teams, die digitale Ziele mit Nachhaltigkeitsbestrebungen in Einklang bringen. Für politische Entscheidungsträger empfehlt die Forschung maßgeschneiderte Interventionen: In Entwicklungsmärkten sollten sich die Bemühungen darauf konzentrieren, die „digital-strukturelle Kluft“ zu überbrücken, indem digitale Technologien in bestehende Gemeinschaftsgenossenschaften integriert werden, während in entwickelten Regionen der Schwerpunkt auf der Etablierung gemeinsamer kognitiver Rahmenbedingungen und branchenweiter Nachhaltigkeitsstandards liegen sollte.
Sharfah Ahmad Qazi (Thu,) studied this question.