Diese Masterarbeit untersucht, ob die Förderung durch das Programm KMU-innovativ dazu führt, dass deutsche KMU der Automobilbranche mehr Patente anmelden. Grundlage ist ein gematchtes Panel von 387 Unternehmen (96 geförderte, 291 Kontroll-unternehmen), die jährlich von 2004 bis 2024 beobachtet werden. Die Patentdaten stam-men aus drei Datenbanken (PATSTAT, LENS.ORG und DPMA) und werden nach dem Maximum-Prinzip zusammengeführt, um Untererfassungen zu vermeiden. Der kausale Effekt wird mit einem gestaffelten Difference-in-Differences-Ansatz und einem Poisson-Pseudo-Maximum-Likelihood-Schätzer (PPML) geschätzt, der sowohl die zeitlich ver-setzten Förderzeitpunkte als auch den hohen Nullanteil von über 92 % in den jährlichen Patentzahlen berücksichtigt. Das zentrale Ergebnis ist ein Nullbefund. Das gepoolte Modell zeigt weder in der aktiven Förderphase (IRR = 0,887; p = 0,665) noch in der Nachförderphase (IRR = 1,270; p = 0,545) einen signifikanten Behandlungseffekt auf die Patentaktivität. Die Event-Study-Spezifikation bestätigt parallele Patentverläufe vor der Förderung. Der einzi-ge individuell signifikante Koeffizient tritt bei k = 0 auf, dem Jahr des Förderbeginns: Geförderte Unternehmen meldeten rund 44 % weniger Patente an als vergleichbare Kon-trollunternehmen (IRR = 0,562; p = 0,029). Dieses Ergebnis ist vereinbar mit den Koor-dinationskosten, die beim Eintritt in F&E-Konsortien mit mehreren Partnern entstehen, beruht jedoch auf einem einzelnen Koeffizienten und ist daher als Hinweis und nicht als gesicherter Befund einzuordnen. Ein wesentlicher Teil der Analyse widmet sich der Frage, warum der Nullbefund zustande kommt. Eine logistische Regression zeigt, dass 86 der 96 geförderten Unter-nehmen zu Studienbeginn weniger als 150 Beschäftigte hatten. Dies entspricht dem Schwellenwert, ab dem die Patentierungswahrscheinlichkeit in dieser Stichprobe erstmals 50 % erreicht. Die Mehrheit der Programmteilnehmer bewegt sich also in einem Größen-bereich, in dem Patentanmeldungen unabhängig von der tatsächlichen Innovationstätigkeit keine regelmäßige unternehmerische Praxis darstellen. Der Nullbefund ist daher eher als Diskrepanz zwischen der gewählten Evaluationsmetrik und der untersuchten Firmenpopu-lation zu verstehen als Beleg dafür, dass das Programm keine Wirkung auf die Innovation entfaltet hat.
Dominik Jonas Pfeifer (Thu,) studied this question.