Zusammenfassung Die Zusammensetzung der Darmmikrobiota wird durch Umweltfaktoren wie Lebensstil, Ernährung, sozioökonomischen und kulturellen Kontext sowie durch wirtsbezogene Faktoren wie Alter und Geschlecht geprägt. Obwohl die Forschung zur Mikrobiota in den letzten Jahren schnell zugenommen hat, basieren die aktuellen Paradigmen größtenteils auf Daten von Personen aus einkommensstarken, industrialisierten Ländern, insbesondere in Europa und Nordamerika. Infolgedessen bleiben Mikrobiota-Profile von nicht-westlichen Populationen – insbesondere von indigenen Gemeinschaften – in globalen Studien unterrepräsentiert, was unser Verständnis der gesamten ökologischen und evolutionären Vielfalt menschlicher intestineller mikrobieller Gemeinschaften einschränkt. In dieser Studie charakterisierten wir die bakterielle Darmmikrobiota von Me’phaa-Individualen, einer präkolumbianischen indigenen Gruppe aus der südzentralen Region Mexikos. Diese ländliche Gemeinschaft führt einen Subsistenzlebensstil mit einer ballaststoffreichen, pflanzenbasierten Ernährung und einer begrenzten Exposition gegenüber industrialisierten Lebensmitteln. Mithilfe von Hochdurchsatz-16S-rRNA-Gen-Sequenzierung analysierten wir mikrobielle Profile von 62 Individuen im Alter von 5 bis 60 Jahren und untersuchten Unterschiede zwischen Alter und Geschlecht, um Muster von Vielfalt und Gemeinschaftsstruktur zu erforschen. Trotz ähnlicher Lebensbedingungen wurden bemerkenswerte Unterschiede in der Darmmikrobiota beobachtet; Alpha- und Beta-Diversitäten zeigten signifikante Variationen zwischen Alter und Geschlecht. Kinder wiesen eine größere mikrobielle Reichtum und interindividuelle Variabilität auf, was mit dynamischen Kolonisationsprozessen übereinstimmt, die im frühen Leben beginnen. Im Gegensatz dazu zeigten Erwachsene homogenere taxonomische Gemeinschaften mit einer höheren Häufigkeit von Taxa wie Prevotellaceae, Succinivibrio und Dialister, die mit der Faserfermentation und dem Stoffwechsel komplexer Kohlenhydrate in Verbindung gebracht werden. Zudem waren geschlechtsbezogene Unterschiede evident, wobei erwachsene Männer die höchste relative Häufigkeit von Prevotellaceae aufwiesen. Schließlich deutet das Vorhandensein taxonomischer Gruppen, die in städtischen westlichen Populationen selten beobachtet werden, darauf hin, dass indigene Lebensstile mikrobielle Vielfalt bewahren könnten, die potenzielle metabolische Relevanz hat. Unsere Erkenntnisse fördern das ökologische und evolutionäre Verständnis der menschlichen Darmmikrobiota und heben die Bedeutung hervor, nicht-westliche Populationen in die Mikrobiomforschung zu integrieren, um die Wirt-Mikrobe-Koadaption und deren Auswirkungen auf die Gesundheit besser zu erhellen.
Villada‐Bedoya et al. (Sun,) untersuchten diese Frage.