Vor dem Hintergrund der mehreren Krisen, mit denen die EU in den letzten zwei Jahrzehnten konfrontiert war, untersucht diese Keynote-Rede, die von Präsident Lenaerts anlässlich des 20. Jahrestages des Beitritts Ungarns zur EU gehalten wurde, drei Bereiche des EU-Rechts im Lichte der gemeinsamen Werte, die in Artikel 2 des Vertrags über die Europäische Union verankert sind. Erstens wird die Auswirkung der Finanzkrise auf den rechtlichen Rahmen der Wirtschafts- und Währungsunion sowie auf das primäre EU-Recht insgesamt bewertet. Zweitens wird analysiert, wie die Rechtsprechung im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie dazu beigetragen hat, die Grenzen zu klären, die im Kontext einer außergewöhnlichen öffentlichen Gesundheitskrise auferlegt werden können. Schließlich wird die Rechtsstaatskrise untersucht, wobei ihre breiteren Implikationen für das Verständnis des Umfangs und der Bedeutung der in Artikel 2 AEUV verankerten Werte berücksichtigt werden. Diese dreifache Untersuchung unterstützt die Auffassung, dass, obwohl diese Krisen neue und komplexe rechtliche Fragen aufgeworfen haben - die die Gerichtshof der EU zügig klären muss - der Gerichtshof bei der Auslegung des EU-Rechts die von den Verträgen auferlegten Grenzen seiner Zuständigkeit und die grundlegenden Werte, auf denen die EU gegründet ist, respektieren muss.
Koen Lenaerts (Mo.) hat diese Frage untersucht.