Nationalismus – die tiefe psychologische Bindung an die eigene Nation – ist eine weit verbreitete und mächtige Kraft, die das moderne soziale und politische Leben prägt. Während er normalerweise durch historische oder politische Rahmenbedingungen analysiert wird, ist Nationalismus in entwickelten neurokognitiven und biologischen Fähigkeiten für Gedächtnis, Vorstellungskraft, Gruppenaffiliation und emotionale Bindung verwurzelt. Basierend auf kognitiver Neurowissenschaft, Sozialpsychologie und Evolutionstheorie untersucht diese Übersicht die neurobiologischen und psychologischen Grundlagen des Nationalismus und integriert Benedict Andersons Konzept der „imaginären Gemeinschaften“ mit Erkenntnissen über Vorstellungskraft, Gruppenkategorisierung, Identitätsfusion und kollektives Gedächtnis. Zentral für diese Analyse ist das kollektive Exercitium episodischen Gedächtnisses und der Vorstellungskraft, was darauf hindeutet, dass nationale Identität von der Fähigkeit des Gehirns abhängt, kohärente, vorgestellte, kollektive Welten zu konstruieren. Kollektives Gedächtnis und andere Prozesse fördern die Loyalität zur In-Group und die Voreingenommenheit gegenüber der Out-Group, und (präfrontal) kortikale Systeme erleichtern die Verschmelzung von individueller und Gruppenidentität. Die neuronalen Grundlagen wichtiger affektiver Prozesse (einschließlich Stolz, Angst, Empathie (Lücken) und moralischer Empörung) werden analysiert, um zu erläutern, wie Nationalismus diese Mechanismen vereinnahmt und sie durch kulturell vermittelte Gedächtnis- und Erzählensysteme auf Massengesellschaften anwendet. Oft übersehene ethische Fragen im Zusammenhang mit den grundlegenden Mechanismen des Nationalismus werden diskutiert. Schließlich werden einige neue Hypothesen und zukünftige Forschungsrichtungen erörtert, die unser neurokognitives Verständnis für groß angelegte Gruppenaffiliation vertiefen, mit Implikationen für gesellschaftlichen Zusammenhalt, intergruppalen Konflikt und die Transformation des Nationalismus in einer globalisierenden Welt.
Shane M. O’Mara (Do,) hat diese Frage untersucht.