Messbare Restkrankheit (MRD) ist ein starker prognostischer Faktor bei akuter myeloischer Leukämie (AML). Next-Generation-Sequencing (NGS) verspricht Fortschritte, muss jedoch zwischen echtem Signal und Hintergrundrauschen unterscheiden. Wir bewerteten MRD bei 98 erwachsenen AML-Patienten in kompletter Remission nach intensiver Chemotherapie mittels eines Duplex Unique Molecular Identifier (UMI)-basierten NGS-Capture-Panels. Die Fehlerreduktionsanalyse zeigte eine bis zu 20-fache Verringerung artefaktischer Aufrufe im Vergleich zur konventionellen Sequenzierung. Linearitätsstudien mit seriellen Verdünnungen bestätigten eine genaue Quantifizierung bis zu einer Variantenallelfrequenz von 0,01%. In diesem Kollektiv beeinflusste eine NGS-MRD-Positivität nach einer Chemotherapie keinen signifikanten Unterschied im Gesamtüberleben (OS) oder rezidivfreiem Überleben (RFS). Allerdings war eine NGS-MRD-Positivität >0,1%, unter Ausschluss von Mutationen in DNMT3A, TET2, ASXL1, IDH1 und IDH2, nach zwei Chemotherapiekursen signifikant mit schlechteren Outcomes assoziiert (OS: Hazard Ratio HR = 3,04, p = 0,0173; RFS: HR = 2,83, p = 0,0097). Die Kombination von multiparametrischer Durchflusszytometrie (MFC-MRD) mit NGS-MRD identifizierte eine doppelt positive Subgruppe mit besonders schlechten Ergebnissen nach dem ersten Kurs (OS: HR = 7,98, p < 0,001; RFS: HR = 7,87, p < 0,001). Diese Ergebnisse unterstreichen, dass Duplex-UMI-basiertes NGS ein sensitiver, quantitativer Ansatz zur MRD-Bewertung bei AML ist und prognostische Informationen liefert, die komplementär zu MFC-MRD sind.
Boudry et al. (Mittwoch) untersuchten diese Frage.