Zusammenfassung Obwohl Koordination eine grundlegende und universelle syntaktische Konstruktion ist, ist die Konjunktion eine grammatische Kategorie oder Wortart, die in der Linguistikgeschichte häufig vernachlässigt wurde. Die Ursache kann auf das Fehlen einer Entsprechung zwischen den morphosyntaktischen Merkmalen und den funktionalen Bedeutungen dieser Kategorie zurückgeführt werden, die eher auf einem grammatischen Kontinuum zwischen Koordination und Subordination eingeordnet werden sollte. Die Schwierigkeit einer eindeutigen Definition zeigt sich bereits in den Überlegungen alter Grammatiker. Der Fall der missionarischen Grammatiker zu Beginn der Neuzeit stellt einen Wendepunkt dar, da die Anpassung der Klassifikationen der europäischen Tradition an indigene Sprachen mit einem völlig anderen morphosyntaktischen System schwierig ist. Ziel dieses Beitrags ist es, die ersten Grammatiken des Aymara und Quechua zu analysieren, die von missionarischen Grammatikanalytikern an der Schule von Juli verfasst wurden, die als echtes 'sprachliches Labor' der Gesellschaft Jesu beschrieben wird. Angesichts der Tatsache, dass die Begriffe Subordination und abhängiger Satz üblicherweise den Port-Royal-Grammatikanalytikern (1660) zugeschrieben werden und daher zu diesem Zeitpunkt eine explizite Unterscheidung zwischen unterordnenden und koordinierenden Konjunktionen noch nicht formalisiert war, versuche ich, diese Unterscheidung zu rekonstruieren, indem ich die Arten von Klauseln analysiere, die ausdrücklich als abhängig definiert sind und mit bestimmten Konjunktionen verbunden sind. Die textuelle Analyse deutet darauf hin, dass europäische Grammatiker bereits Ende des sechzehnten und Anfang des siebzehnten Jahrhunderts sich der Unterscheidung zwischen Koordination und Subordination bewusst waren, was die vorherrschenden Annahmen in der Geschichtsschreibung des linguistischen Denkens herausfordert.
Annamaria Bartolotta (Tue,) hat diese Frage untersucht.