Dieser Beitrag zielt darauf ab, zwei hermeneutische Perspektiven des zwanzigsten Jahrhunderts zu beleuchten, die, obwohl sie in unterschiedlichen Kontexten und durch verschiedene Sprachen entwickelt wurden, nicht nur bestimmte konzeptionelle Affinitäten teilen, sondern beide in einem relationalen ontologischen Rahmen verankert sind. Die erste ist der Begriff des Lesens (notion de lecture), der von der französischen Denkerin Simone Weil (1909–1943) insbesondere während ihrer Zeit in Marseille (1940–1942) elaboriert wurde; die zweite ist die Idee des Lesens als „Aufführung“ oder „Ausführung“ (esecuzione), die der italienische Philosoph Luigi Pareyson (1918–1991) im Rahmen seiner ästhetischen Theorie der formatività (1954) vorschlug. Ziel dieser Studie ist es zunächst, die wesentlichen Merkmale beider Perspektiven und Resonanzen zu skizzieren und anschließend ihre Konvergenzpunkte und originalen Merkmale hervorzuheben. Das Ziel ist jedoch nicht, einen systematischen Vergleich zwischen den beiden Autoren vorzuschlagen, sondern vielmehr die theoretische Fruchtbarkeit eines Dialogs zwischen Weils und Pareysons Reflexionen über Ästhetik und Hermeneutik aufzuzeigen, aus dem ein Profil des „erneuerten Denkens“ im weitesten Sinne entstehen kann, das sich zu einem fruchtbaren inter- und transdisziplinären Dialog öffnet, der in der Suche nach Wahrheit als gemeinsamen Horizont verwurzelt ist.
Noemi Sanches (Mi,) untersuchte diese Frage.