Die Politik des Klimawandels ist auch eine Politik widersprüchlicher Temporalitäten. Allerdings wissen wir wenig darüber, wie Konzeptualisierungen von Klima und Zeit politische Auseinandersetzungen vor Ort formen. Ebenso fehlen uns empirisch fundierte Reflexionen darüber, wie unterschiedliche Klima-Temporalitäten zueinander in Beziehung stehen und wie sie von kolonialen Geschichten geprägt sind. Dieser Artikel adressiert diese Lücken, indem er einen analytischen Rahmen für Klima-Temporalitäten entwickelt, der untersucht, wie Aktivisten Diagnose und vorgeschlagene Maßnahmen in ihren politischen Visionen kombinieren. Mithilfe der ethnografischen politischen Theorie untersucht der Artikel zwei konkurrierende Temporalitäten innerhalb der Klimabewegung Extinction Rebellion, nämlich Notfallzeit und dekoloniale Zeit. Auf der Grundlage dieser Analyse argumentiert der Artikel, dass wir die Beziehung zwischen verschiedenen Klima-Temporalitäten als sich überschneidend, räumlich und resonant verstehen sollten. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Integration politischer Theorie und empirischer Forschung dazu, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft für politische Zwecke mobilisiert werden.
Tobias Müller (Mi,) hat diese Frage untersucht.