Ziele Die Langzeitanwendung von Medikamenten mit anticholinergen Eigenschaften wird mit kognitivem und funktionalem Abbau bei älteren Erwachsenen in Verbindung gebracht, wobei diese Maße typischerweise isoliert bewertet werden – was ihre wechselseitige Beziehung potenziell übersehen lässt. Diese Studie untersuchte den longitudinalen Zusammenhang zwischen anticholinerger Belastung und integrierten kognitiv-funktionalen Messungen bei älteren Erwachsenen. Methoden Teilnehmer wurden aus S.AGES (Frankreich, 2009–2012) rekrutiert. Die tägliche Gesamtbelastung mit Anticholinergika wurde mittels der Anticholinergic Burden Scale (ACB) und des Anticholinergic and Sedative Burden Catalogue (ACSBC) erfasst. Wir kombinierten den Mini-Mental State Examination (MMSE) mit Basisaktivitäten des täglichen Lebens (BADLs), mit instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens (IADLs) oder mit beiden. Explorative Faktorenanalysen (EFAs) und konfirmatorische Faktorenanalysen (CFAs) wurden zur Erforschung der Dimensionalität und Modellanpassung durchgeführt. Die Zusammenhänge zwischen der Gesamtbelastung und den Ergebnissen wurden mittels generalisierter linearer gemischter Modelle (GLMMs) geschätzt. Ergebnisse Von 983 Teilnehmern war ein höherer täglicher ACB-Gesamtwert mit schlechterer Leistung bei MMSE-BADLs-IADLs (OR = 1,25; 95% KI = 1,06–1,47; p = 0,004) und MMSE-IADLs (OR = 1,56; 95% KI = 1,30–1,88; p < 0,001) assoziiert. Höhere ACSBC-Werte zeigten ähnliche Zusammenhänge mit MMSE-BADLs-IADLs (OR = 1,23; 95% KI = 1,08–1,40; p < 0,001) und MMSE-IADLs (OR = 1,40; 95% KI = 1,16–1,70; p < 0,001). Die drei kognitiv-funktionalen Maße zeigten eine hohe interne Konsistenz mit Comparative Fit Indexes (CFIs) von 0,9 und 0,95 sowie Root Mean Squared Error of Approximations (RMSEAs) < 0,08, was ein Ein-Faktoren-Modell unterstützt. Schlussfolgerungen Unsere Ergebnisse, basierend auf kombinierten Messungen zur Beurteilung des kognitiv-funktionalen Abbaus bei älteren Erwachsenen, unterstützen die Integration der Bewertung der anticholinergen Belastung in die Routineversorgung, insbesondere bei Patienten ab 85 Jahren oder bei Vorliegen von ZNS-Erkrankungen und Depression.
Raad et al. (Mi,) untersuchten diese Fragestellung.