Hintergrund: Advance Care Planning (ACP) ist in Japan zu einem zentralen Bestandteil der End-of-Life-Politik geworden, mit dem Ziel, Autonomie und Würde zu wahren. Dennoch besteht konzeptionelle Verwirrung bezüglich seiner ethischen und rechtlichen Grundlagen, was das Risiko birgt, einen prozeduralen statt eines ethisch fundierten Ansatzes für ACP zu fördern. Ziele: Diese Studie verfolgte (1) die Bewertung des Wissens von Gesundheitsfachkräften über ethische und rechtliche Konzepte bei medizinischen Entscheidungen, (2) die Untersuchung, wie die Patientenautonomie anhand klinischer Vignetten respektiert wird, und (3) die Identifikation von Faktoren, die mit dem Respekt vor Autonomie assoziiert sind. Design: Querschnittsbefragung mittels Fragebogen. Methoden: Gesundheitsfachkräfte (n = 549) eines geriatrischen Krankenhauses in Tokio beantworteten Fragen zu Einstellungen und Erfahrungen mit der End-of-Life-Versorgung, Wissen über gesetzliche Regelungen und ethische Konzepte in der medizinischen Entscheidungsfindung sowie Reaktionen auf zwei klinische Vignetten, die Entscheidungsdilemmata darstellen. Die Analysen umfassten deskriptive Statistiken, Vergleiche zwischen Berufsgruppen und multivariate Regression zur Identifikation von Faktoren, die mit dem Respekt vor Patientenautonomie zusammenhängen. Ergebnisse: Missverständnisse waren häufig: 38 % der Teilnehmenden setzten ACP ausschließlich mit Verzicht auf aktive Behandlung gleich, viele verwechselten ACP mit aktueller statt zukunftsorientierter Pflegeplanung. Die Vignettenstudie zeigte zudem, dass eine Demenzdiagnose allein in 27,8 % der Fälle den Respekt vor Patientenpräferenzen verringerte. Ethische Dilemmata traten häufig bei der Anwendung von ACP in der Praxis auf, insbesondere hinsichtlich des Zurückhaltens oder Absetzens von Behandlungen, was nahelegt, dass ACP solche Dilemmata nicht zwingend löst und in einigen Fällen neue schaffen kann. Zwei unabhängige Faktoren, die mit erhöhtem Respekt vor Patientenautonomie verbunden waren, wurden identifiziert: größeres Wissen über ethische Konzepte und persönliche Erfahrungen mit Schaden durch unzureichende medizinische Intervention. Schlussfolgerung: Die ACP-Politik in Japan hat sich schneller entwickelt als das ethische und rechtliche Verständnis der Gesundheitsfachkräfte, was das Risiko eines prozeduralen statt ethisch fundierten Vorgehens birgt. Eine systematische, professionsübergreifende Weiterbildung, die Rechtskenntnisse, ethisches Denken und reflektierendes Lernen integriert, ist essenziell, um sicherzustellen, dass ACP die Rechte der Patienten tatsächlich schützt und ethisch fundierte Entscheidungen unterstützt.
Ito et al. (Thu,) untersuchten diese Fragestellung.
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