Dieser Essay argumentiert, dass Jean-Luc Godards spätes digitales Kino eine geopolitische Ästhetik entwickelt, in der Europa mit der Rückkehr seiner unterdrückten Geschichten durch die Instabilität des digitalen Bildes konfrontiert wird. Während Europa in Godards Werk lange als sowohl Thema als auch epistemischer Horizont fungiert hat – im Echo der Hegelschen Kartografien – verwandeln Film Socialisme (2010) und The Image Book (2018) diesen Eurozentrismus in einen Krisenort. In diesen Filmen tritt das, was Fredric Jameson den "politischen Unbewussten" (1981) nennt, durch die spukhafte Rückkehr Palästinas und der arabischen Welt zutage, was eine Auseinandersetzung mit kolonialen Vermächtnissen und den Grenzen der Repräsentation erzwingt. Die digitale Wende erweist sich als entscheidend. Godard mobilisiert Pixelierung, Sättigung, Glitches und zerlegte Klänge, um das zu enthüllen, was man als das technologische Unbewusste des Mediums bezeichnen könnte. Ich entwickle das Konzept des "Digitalen Orientalismus", um zu benennen, wie orientalische Chronotopen im digitalen Zeitalter fortbestehen, aber durch Godards experimentelle Manipulation audiovisueller Fragmente in Frage gestellt werden. Durch genaue Analysen von Film Socialisme und The Image Book, das Werke arabischer Filmemacher wie Youssef Chahine, Nacer Khemir, Ossama Mohammed und Wiam Simav Bedirxan einbezieht, zeige ich, wie Godards zerrissene Montagen symptomatische Kartografien des Weltsystems erzeugen, in denen Unterdrückung, Erinnerung und Zufall kollidieren.
Anne-Gaëlle Colette Saliot (Mi.) untersuchte diese Frage.