Mit welchen Kategorien sollte die gegenwärtige demokratische Krise in Lateinamerika betrachtet werden, wenn die Links-Rechts-Unterscheidung den tatsächlichen Mechanismus des institutionellen Verfalls nicht mehr erfasst? Welche Bedingungen ermöglichen, dass unbegrenzte Macht durch graduelle und formal legale Wege normalisiert wird, und warum macht die Politisierung von Angst sowohl revolutionäre Rhetorik als auch ordnungsbasierte Strenge funktional für den Zerfall des Pluralismus? Dieser Beitrag schlägt einen analytischen Rahmen vor, der auf den Dynamiken der Autokratisierung basiert: die Übernahme staatlicher Schiedsrichter, der Zusammenbruch informeller Zurückhaltungsnormen, die Erzeugung von Feindschaft durch Sündenbockmechanismen und die Sicherheitsmacht des Ausnahmezustands als Legitimationstechnologien. Auf dieser Grundlage wird ein normatives Kriterium skizziert: Das entscheidende Problem ist nicht die deklarierte ideologische Ausrichtung, sondern der Ersatz demokratischer Konkurrenz durch Dominanz, die Schließung der Verantwortlichkeit und die Transformation des Gegners zum Feind. Die abschließende Hypothese eröffnet eine Forschungs- und Reformagenda: Stärkung der institutionellen Resilienz und der Öffentlichkeit, um Anreize für Populismus zu verringern und Konflikte auf nicht-destruktive Formen der Meinungsverschiedenheit umzulenken.
Guasca et al. (Thu,) untersuchten diese Frage.