Persönliche Narrative spiegeln die Selbstwahrnehmung des Erzählers wider. In dieser Hinsicht ist es ein zuverlässiges Mittel zur Selbstkenntnis und Selbstbeschreibung. Indem sie von sich selbst erzählen, gestaltet der Erzähler das Narrative mit seinen eigenen Konzepten von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Seine Modalität und Themen offenbaren die Werte und Überzeugungen hinter der Identität des Erzählers. Erzähler erklären sich selbst und die Welt durch sprachliche Konstrukte, die persönliche Erfahrungen einbeziehen. Ein Selbstnarrativ ist ein Selbstbild, das die Dynamik des Lebens des Erzählers im selbstgeschaffenen Kontext beeinflusst. Identität ist ein komplexes Konstrukt, in dem Geschlecht mit persönlichen (Werten, Überzeugungen, Talenten), physischen (Einstellung zum eigenen Körper und dessen Funktionen) und anderen sozialen Identitäten, z.B. Nationalität, Beruf, Rasse, sozialer Status, usw. überschneidet. Geschlecht ist die Sprache, durch die Menschen mit der Welt kommunizieren. In der digitalen Kommunikation manifestiert es sich auf verschiedene Weise, z.B. in der Wahl des Inhalts, des Stils, der Emotionalität, der Profilmerkmale, sozialer Interaktionen, öffentlicher Konten, Kommentare usw. Es kann die Einstellungen des Nutzers radikalisieren, deren Rollenwahl oder Verhaltensmuster im realen Leben beeinflussen und als Mittel der Manipulation oder als Marketinginstrument fungieren. Manchmal ist es getarnt und verschwimmt in einen vagen androgynen Modus digitaler Interaktion. Soziale Medien prägen öffentliche Meinungen und spiegeln dynamische geschlechtsbezogene Prozesse wider. Online-Narrative bestätigen entweder Geschlechterstereotypen oder stellen geschlechtsbezogene soziale Normen in Frage, wobei sich das physische und digitale Selbst überschneiden kann. Gender-Studien in digitalen Narrativen werfen Licht auf die Mechanismen der Selbstidentität, ihre Manifestationen, Funktionen, Muster und das Bewusstsein. Diese Forschung beleuchtete die Geschlechtsaspekte von Narrativen, die im sozialen Netzwerk VKontakte veröffentlicht wurden. Sie beruhte auf Inhaltsanalyse, Diskursanalyse und Narrationspsychologie. Die Stichprobe umfasste zehn männliche und zehn weibliche VKontakte-Konten mit jeweils 20 aktuellen Posts von jeder Seite, d.h. insgesamt 400 Posts. Die Narrative zeigten eine klare Geschlechterpolarisation in den Kategorien Kritik und soziale Themen sowie Familie, Kinder, Beziehungen.
Rogova et al. (2026) untersuchten diese Fragestellung.
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