Zusammenfassung Eine zentrale offene Frage in der Forschung zu intuitiven und absichtlichen kognitiven Prozessen ist, ob beide durch Anpassungen innerhalb eines einzigen kognitiven Mechanismus erfasst werden können oder unterschiedliche rechnerische Prozesse erfordern. Wir testen, ob interaktive Aktivierungsprozesse, die als allgemeine Modelle der Kognition vorgeschlagen wurden, sowohl intuitive als auch absichtliche Entscheidungen erklären können. In einem Online-Experiment (N = 128) analysierten wir die Auswirkungen der Entscheidungsmodus-Anweisungen in einer probabilistischen Inferenzaufgabe mithilfe eines rechnerischen Modellierungsansatzes. Die Manipulation des Entscheidungsmodus war erfolgreich, wie substanzielle Veränderungen in der Entscheidungszeit und dem subjektiven Erleben bewusster Entscheidungsfindung zeigen. Die Manipulation hatte jedoch keinen Einfluss auf die Verteilung der Entscheidungsstrategien. Es gab keinen Hinweis darauf, dass unter einer Überlegungsanweisung mehr serielle, regelbasierte im Gegensatz zu ganzheitlichen, assoziativen (d.h. kohärenzbasierten) Prozesse verwendet wurden. In beiden Bedingungen erklärte ein Parallel Constraint Satisfaction (PCS) Modell für die Entscheidungsfindung, das auf interaktiven Aktivierungsprozessen basiert, am besten die Daten für die Mehrheit der Teilnehmer. Die Überlegung erhöhte die Qualität der Entscheidungen, gemessen an der Einhaltung eines rationalen Standards. Im Überlegungsmodus waren die beobachteten Muster der Reaktionszeiten und des Vertrauens stärker mit den Vorhersagen des PCS-Modells in Einklang als unter einer intuitiven Anweisung. Unsere Ergebnisse sind konsistent mit einer integrierten Prozessperspektive und deuten darauf hin, dass kohärenzbasierten Mechanismen Verhalten unter beiden intuitiven und absichtlichen Entscheidungsmodi erklären können.
Forst et al. (Sun,) haben diese Frage untersucht.