Sepsis verursacht weiterhin eine erhebliche globale Belastung mit anhaltend hohen Krankenhausaufenthalts- und Sterblichkeitsraten. Eine große Herausforderung bei der Weiterentwicklung von Sepsistherapeutika liegt in der inhärenten klinischen und biologischen Heterogenität der Erkrankung. Jüngste Forschungen haben sich zunehmend von der statischen Biomarkerbewertung hin zur Identifikation dynamischer Trajektorienuntertypen verlagert, um diese Heterogenität besser zu erfassen. Zielsetzung: Diese Studie hat zum Ziel, die zeitlichen Muster der Thrombozytenzahlveränderungen während der ersten drei Tage nach Aufnahme bei 280 Sepsispatienten mittels gruppenbasierter Trajektorienmodellierung (GBTM) zu charakterisieren, deren Zusammenhang mit klinischen Ergebnissen zu bewerten und potenzielle vermittelnde Pfade zu untersuchen. Methoden: Wir analysierten retrospektiv Daten von 280 Sepsispatienten, die zwischen September 2022 und Dezember 2024 in der Abteilung für Intensivmedizin des Jiangsu University Affiliated People's Hospital aufgenommen wurden. Basisdemografische Daten, klinische Merkmale und serielle Thrombozytenzahlen wurden erhoben. Fehlende Daten wurden mittels multipler Imputation behandelt. GBTM wurde angewandt, um unterschiedliche Trajektorienmuster der Thrombozytenzahl zu identifizieren. Der Zusammenhang zwischen jeder Trajektorie und der 28-Tage-Gesamtmortalität wurde unter Verwendung multivariabler Cox-Proportional-Hazard-Modelle bewertet. Zusätzlich wurde eine Mediationsanalyse durchgeführt, um potenzielle Mechanismen dieser Assoziationen zu untersuchen. Ergebnisse: Die GBTM identifizierte drei unterschiedliche Thrombozytenzahltrajektorien: anhaltend niedriger Spiegel (71,79 %), Abfall von hohem Spiegel (20,00 %) und Rebound-Anstieg (8,21 %). Patienten in der anhaltend niedrigen Gruppe zeigten eine signifikant höhere 28-Tage-Gesamtmortalität im Vergleich zu den anderen beiden Gruppen (71,63 % vs. 55,36 % vs. 13,04 %, p < 0,05) und hatten die kürzeste mediane Überlebenszeit. Nach Adjustierung für wichtige Störfaktoren zeigte die Cox-Regression, dass im Vergleich zur anhaltend niedrigen Gruppe die Gruppe mit Abfall von hohem Spiegel ein um 42 % geringeres Sterberisiko aufwies (HR = 0,58, 95 % CI: 0,36–0,92, p = 0,02), während die Rebound-Anstiegsgruppe eine um 93 % reduzierte Sterblichkeit aufwies (HR = 0,07, 95 % CI: 0,02–0,26, p < 0,001). Die Mediationsanalyse deutete darauf hin, dass der Einfluss der Thrombozyten-Trajektorien auf die 28-Tage-Mortalität teilweise durch Veränderungen im Sequential Organ Failure Assessment (SOFA)-Score und die logarithmisch transformierte aktivierte partielle Thromboplastinzeit (APTT) vermittelt wird. Schlussfolgerung: Die dynamische Modellierung von Thrombozytenzahltrajektorien ermöglicht die effektive Identifikation klinisch bedeutungsvoller Subphänotypen bei Sepsispatienten und bietet einen robusten Rahmen zur Prognosevorhersage. Dieser Ansatz unterstützt eine verfeinerte Risikostratifizierung und personalisierte Behandlungsstrategien und liefert somit neue Einsichten in die Pathophysiologie und klinische Versorgung der Sepsis.
Zhang et al. (Wed,) untersuchten diese Fragestellung.