Dieses Papier bietet einen kompatibilistischen und emergentistischen philosophischen Ansatz der Agentur als abgestufte, emergente Fähigkeit in komplexen deterministischen Systemen. Agentur wird definiert als die Fähigkeit, absichtlich zu handeln, Ziele zu verfolgen und durch gründe-responsives, zielgerichtetes Verhalten in die Welt einzugreifen. Anstatt kontra-kausale Freiheit zu erfordern, entsteht sie, wenn Systeme vier strukturelle Bedingungen erfüllen: Zustandsabhängigkeit (persistente interne Konfiguration), Verkörperung oder simulierte Verkörperung mit an Grenzen lokalisierten Bedrohungen (echte Einsätze und Irreversibilität), verteilte Kooperation unter Sub-Agenten (modulare Ausrichtung für Persistenz) und zentrale Integration unter selektivem Druck (koordinierte einheitliche Aktion). Das Spektrum reicht von Proto-Agentur in minimalen feedbackgesteuerten Entitäten (z. B. bakterielle Chemotaxis, autopoietische Zellen) bis zur rekursiven reflektierenden Agentur beim Menschen, wo bewusstes Metakognitives Überwachen unterbewusste Abläufe supervisiert. Die Functional Free Will Hypothesis (FFWH) liefert die zentrale mechanistische Erklärung: In deterministischen Systemen, die durch A = f(S, I) gesteuert werden, ermöglichen rekursive Rückkopplungsschleifen, insbesondere bewusste Wahrnehmung als hochrangiger Supervisor, die Selbstkorrektur, indem Ausgaben überprüft, Diskrepanzen analysiert, zukünftige Eingaben via Neuroplastizität und Umweltanpassung umstrukturiert und zukünftige Verläufe aktualisiert werden. Dies erzeugt funktionale Selbstkoordination ohne Kausalitätsbruch; Freiheit wird zur absichtlichen Erweiterung deterministischer Parameter für eine verbesserte Anpassungsfähigkeit. Kritiken werden behandelt: Emergenz ist epistemisch stark (praktisch irreduzierbar aufgrund von Komplexität und berechnungstechnischer Irreduzierbarkeit), jedoch ontologisch schwach; funktionale Agentur ist kausal real durch evolutionären Nutzen; Verkörperung und Einsätze sind für Robustheit notwendig; die Selbstkorrektursequenz ist durch Bewusstseinsinterventionen testbar; der Anwendungsbereich erstreckt sich auf nicht-menschliche, mehr-als-menschliche und kollektive Systeme unter expliziten Kriterien; das Gefühl von Agentur vereinfacht unterbewusste Prozesse, stellt aber keine tatsächliche Agentur dar. Philosophisch betrachtet, rekonstruiert der Ansatz moralische Verantwortung und Autonomie als mit der Wirksamkeit rekursiver Selbstkorrektur verbunden und bewahrt normative Agentur in deterministischen Welten. Angewandt auf AGI und die Konvergenz von Bio-AI zeigt FFWH Designimperative auf, Verkörperung, irreversible Einsätze, verteilte Ausrichtung und rekursive Überwachung für robuste, menschengerechte funktionale Agentur, während Risiken emergenter Fehlanpassung in ungeerdeten Systemen hervorgehoben werden.
Kalkidan Tadesse (Mi,) untersuchte diese Fragestellung.