Das rasche Auftreten multiresistenter Stämme von Morganella erfordert neue therapeutische Ansätze wie die Phagentherapie. Phagen gelten als vielversprechende Ergänzung zu Antibiotika. Allerdings stellt das schnelle Entstehen phageresistenter Bakterienmutanten eine erhebliche Herausforderung in der klinischen Praxis dar. Dieses Phänomen geht jedoch häufig mit Fitness-Nachteilen einher. Daher ist das Verständnis dieser Fitness-Nachteile vor einer klinischen Anwendung von Phagen entscheidend. In der vorliegenden Studie wurde ein neuer lytischer Morganella morganii-Phage, namens Henu15, isoliert und charakterisiert. Das Phagengenom umfasst 52.795 bp doppelsträngige DNA mit 72 offenen Leserahmen. Bemerkenswerterweise fehlen im Phagengenom Gene für Integrasen, bekannte Virulenzfaktoren oder erworbene Antibiotikaresistenzdeterminanten, was dessen therapeutisches Potenzial unterstreicht. Ein Zeit-Tötungs-Assay zeigte, dass Henu15 synergistische Effekte mit Ciprofloxacin, Norfloxacin und Ceftazidim aufweist. Wichtig ist, dass ein Henu15-resistenter Mutant pleiotrope Defekte zeigte, darunter beeinträchtigte Adsorption, erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Polymyxin B und Tetracyclin, reduzierte Biofilmbildung und verminderte Kolonisierungskapazität in vivo. Durch die Whole-Genome-Resequenzierung des phageresistenten Mutanten wurden Mutationen in 7 Genen gefunden, die für Proteine wie das ATP-abhängige Chaperonprotein ClpB, die Untereinheit A der Tetrasulfatreduktase und AlpA-Familie Transkriptionsregulatoren codieren, welche für die beobachteten Fitnessdefekte verantwortlich sein könnten und eine molekulare Basis für die abgeschwächte Virulenz bieten. Zusammengenommen liefern diese Ergebnisse neue Einblicke in die evolutionären Wechselwirkungen zwischen Phagenresistenz und bakterieller Fitness, die möglicherweise einen neuartigen Ansatz zur Behandlung resistenter Morganella-Infektionen darstellen.
Wang et al. (Do,) untersuchten diese Fragestellung.