ZUSAMMENFASSUNG Due-Diligence-Gesetze reagieren auf Herausforderungen der Arbeitsgovernance und auf das Fehlen öffentlicher Governance, die Menschenrechtsverletzungen in globalen Wertschöpfungsketten adressiert. Trotz anhaltender Kontroversen zielt das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz darauf ab, in Deutschland ansässige Unternehmen für Menschenrechtsrisiken in ihren Lieferketten zur Verantwortung zu ziehen. Dieses Papier untersucht, wie ein unterrepräsentierter Akteur, die organisierte Arbeiterschaft, diesen rechtlichen Mechanismus für lokale Arbeitskonflikte innerhalb transnationaler Produktionssysteme nutzt, wobei die politisch-ökonomischen Eigenheiten der betroffenen Länder berücksichtigt werden. Basierend auf einer Einzelfallstudie, die auf Experteninterviews und Dokumentenanalysen beruht, wird die Mobilisierung einer unter dem Gesetz in Brasilien eingereichten Beschwerde analysiert. Das Gesetz kann als ergänzender transnationaler Governance-Hebel zur nationalen Governance fungieren, seine Umsetzung erfordert jedoch ein umfassendes nationales System der Arbeitsbeziehungen und breitere nationale arbeitsrechtliche Regulierungsrahmen. Das Gesetz exemplifiziert eine neue Form der transnationalen horizontalen und vertikalen Arbeitsgovernance, während die Nachhaltigkeitsgovernance an die organisierte Arbeiterschaft ausgelagert wird.
Helena Gräf (Sun,) hat diese Frage untersucht.