Zusammenfassung Schmidt, W., Lorenz, K.: Der Naturwald Hainholz im südwestlichen Harzvorland (Niedersachsen): Dynamik und Konstanz der Gefäßpflanzenflora über mehr als 50 Jahre. – Hercynia N. F. 58 (2025): 1–30. Das Hainholz am südwestlichen Harzrand ist eines der letzten naturnahen Buchenwaldgebiete in der Gipskarstlandschaft des Zechsteins und zeichnet sich durch eine hohe standörtliche Vielfalt aus. Daher wurde es zusammen mit angrenzenden Offenlandflächen bereits vor mehr als 50 Jahren unter Naturschutz gestellt, aber weiterhin bewirtschaftet. Mit der Ausweisung als Naturwald erfolgte 1996 die Einstellung der forstlichen Nutzung. Durch einen Sommergewittersturm 1997 wurden die Buchenbestände z.T. großflächig geworfen. Durch die Einrichtung eines permanenten Gitternetzsystems konnten danach die Veränderungen der Gefäßpflanzenflora in den zentralen, 1-ha-großen Rasterfeldern sowie der Gesamtfläche in drei Aufnahmezeiträumen bis 2024 dokumentiert und mit Angaben aus dem Jahren 1968-1974 verglichen werden. Eine nach dem Sturm von 1997 erfolgte Luftbildkartierung bot gleichzeitig die Möglichkeit, Veränderungen in der Artendiversität und ausgewählten Artengruppen in Beziehung zur Störungsintensität in den Rasterfeldern zu setzen. Nach der großflächigen Störung stieg die Artenzahl zunächst deutlich an, sank danach aber rasch wieder mit dem Einwachsen der Naturverjüngung in die Strauch- und Baumschicht. Diese Artendynamik steht im direkten Zusammenhang mit dem Rückgang von Licht- und Störungszeigern bzw. Offenland-Arten und Neophyten im Verlauf der ungestörten Sukzession. Arten des geschlossenen Waldes und die mit ihnen enger verbundenen Rote-Liste-Arten waren durch die Störung und den Nutzungsverzicht kaum betroffen. Kleinräumige Unterschiede in der Störungsintensität sorgten im Hainholz insbesondere im ersten Jahrzehnt für große Unterschiede in der Gefäßpflanzendiversität. Rasterfelder mit hohen Anteilen an flächig geworfenen Beständen waren bis 2014-15 signifikant artenreicher als Bestände, die nur lückig geworfen waren. Umgekehrt nahm mit zunehmendem Anteil an ungestörten Beständen die Artendiversität ab. Entscheidende Artengruppen waren hier wiederum Licht- und Störungszeiger bzw. Offenlandarten und Neophyten. Arten des geschlossenen Waldes zeigten dagegen eine hohe Resistenz, indem sie unabhängig von der Störungsintensität durchgehend vertreten waren. Eine Zunahme von Stickstoffzeigern erfolgte vor allem bis zur Jahrtausendwende und blieb dann bis 2024 fast unverändert. Florenveränderungen, die auf einen Einfluss des Klimawandels hindeuten könnten, waren nicht nachweisbar. Schlüsselwörter: Biodiversität, Eutrophierung, Klimawandel, Naturschutz, Neophyten, Rote-Liste-Arten, Störung, Störungszeiger, Waldarten, Waldbau, Zeigerwerte
Schmidt et al. (Wed,) studied this question.