Während traditionelle Wissenschaften Unsicherheit als ein Hindernis behandeln, das minimiert werden soll, schlägt dieses Papier einen epistemischen Wandel vor: die Unsicherheit als Ressource zu betrachten, die genutzt werden kann. Um diesen Wandel zu vollziehen, schlagen wir vor, Improvisation anzunehmen – bei der neuartige Verhaltensweisen spontan zusammengestellt werden, um unvorhersehbaren Einschränkungen zu begegnen – als Modell für die Anpassung in Echtzeit und Verhaltensausweitung. In dieser Praxis wird Unsicherheit nicht nur verwaltet, sondern absichtlich injiziert, um den Determinismus gewohnheitsmäßiger Routinen zu stören. Durch die Offenlegung eines größeren Raums potenzieller Wege fördert zunehmende Unsicherheit die Verhaltensexploration, Entdeckung und kollektive Entscheidungsfindung inmitten von Meinungsverschiedenheiten. Diese Perspektive resoniert über verschiedene Ebenen hinweg: In der Neurowissenschaft wird neurale Unsicherheit zunehmend als ein Kennzeichen von Kognition und Willensbildung anerkannt; in künstlichen Systemen kann das Fördern des inhärenten Indeterminismus der Modelle deren voreingenommene Anziehungskraft auf die Erwartungen der Nutzer stören, was die Offenheit der Interaktionen zwischen Mensch und Modell erhöht und die kognitive Emanzipation fördert. In einer Ära systemischer Unvorhersehbarkeit ist es notwendig, den funktionalen Nutzen von Unsicherheit durch die Linse der Improvisation zu erkunden, um natürliche, psychosoziale und künstliche Systeme zu verstehen. Wir präsentieren einen allgemeinen Überblick über empirische Unterstützung für dieses Rahmenwerk, die Versprechen dieser aufkommenden Perspektive und die zukünftigen Richtungen, die sie fordert.
Laroche et al. (Sun,) untersuchten diese Frage.