Zusammenfassung Dieser Artikel untersucht Virginia Woolfs und Clarice Lispectors mutige modernistische Herausforderung der Annahme des zwanzigsten Jahrhunderts, dass nachhaltige Aufmerksamkeit die einzig legitime Art des Lesens sei. In Leseszenen aus „To the Lighthouse“ und „Near to the Wild Heart“ sowie in ihren Essays legen Woolf und Lispector die gegenderten Annahmen offen, die den Hierarchien des Leserwerts zugrunde liegen, und contestieren sie. Ihre männlichen Charaktere projizieren auf Frauen Formen der textuellen Auseinandersetzung, die durch sinnliche Wahrnehmung, Fluidität und traumhafte Reverie geprägt sind, während sie sich selbst einen „aufmerksamen“ Lesemodus zuschreiben, der mit intellektueller Meisterschaft und militärischer Kontrolle verbunden ist. Doch diese fiktiven Welten dramatisieren, wie solche sogenannten abgelenkten Modi intellektuelle Kraft, verkörperte Wissensweisen und subtile Mittel des Widerstands gegen gegenderte Machtstrukturen hervorrufen können. Der Artikel situierte diese literarischen Strategien innerhalb breiterer Debatten des zwanzigsten Jahrhunderts über Aufmerksamkeit, Produktivität und die Methoden der Literaturwissenschaft. Vor diesem Hintergrund inszenieren Woolf und Lispector eine scharfsinnige Kritik an der vermuteten Neutralität des engen oder aufmerksamen Lesens und zeigen, wie Werthierarchien um kognitive Leser-Modi durch soziale und geschlechterbezogene Machtstrukturen geprägt sind. Anstatt die binäre Oppositionsstruktur von Aufmerksamkeit und Ablenkung zu verstärken, rücken Woolfs und Lispectors Werke die Fähigkeit in den Vordergrund, zwischen unterschiedlichen Leseweisen zu wechseln und mit verkörperter Ablenkung zu experimentieren, die als generative Orte ästhetischer und politischer Möglichkeiten dienen.
Yael Segalovitz (Sun,) untersuchte diese Frage.
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