Diese Arbeit untersucht die Stabilität des Finanzsystems während militärischer Konflikte anhand einer empirischen Analyse von Daten des ukrainischen Bankensektors für den Zeitraum von Januar 2019 bis August 2025. Die Arbeit behandelt drei Forschungsfragen: (1) Welche geeigneten Mittel gibt es zur Sicherung der Finanzstabilität in Zeiten militärischer Konflikte? (2) Welche Bankentypen sind anfälliger für systemische Instabilität? (3) Welche Einlagenarten reagieren am stärksten auf verschiedene Kriegsphasen? Im Rahmen des hypothetisch-deduktiven Ansatzes wurden auf Basis einer systematischen Literaturrecherche zu Bankenregulierungen, Vertrauen in den Finanzmarket und krisenbedingtem Einlegerverhalten sowie Eigenheiten des ukrainischen Bankenmarktes fünf Hypothesen entwickelt. Diese betreffen Stabilitätsunterschiede zwischen Kundentypen, Produkttypen, Auswirkungen von Einlagensicherungssystemen, Bankeigentümerstrukturen sowie negative öffentliche Verbindungen zum Krieg. Die empirische Analyse verwendet- je nach Hypothese und verfügbaren Daten - Bayes’sche Modellierung, frequentistische statistische Tests und Regressionsanalysen, teilweise auf mehreren Aggregationsebenen und immer in den definierten Kriegsphasen. Zentrale Ergebnisse zeigen, dass Privatpersonen über den gesamten Nachkriegszeitraum niedrigere Abflusswahrscheinlichkeiten als juristische Personen aufweisen, gleichzeitig sind allerdings Unterschiede bei Wachstumsraten unbedeutend. Entgegen des unmittelbaren Verhaltens nach Kriegsausbruch weisen gebundene Einlagen in späteren Kriegsphasen niedrigere Abflusswahrscheinlichkeiten auf. Die erweiterte Einlagensicherung in der Ukraine hatte keinen Einfluss auf Wachstumsraten oder Abflusswahrscheinlichkeiten. Entgegen der Erwartungen aus der Literaturrecherche erwiesen sich privat geführte inländische Banken als am anfälligsten in Krisenzeiten, während staatseigene Banken am stabilsten blieben. Banken mit starker negativer öffentlicher Verbindung zum Krieg verzeichneten signifikant niedrigere Wachstumsraten als nicht verbundene Wettbewerber, während schwach verbundene Banken keine solchen Effekte zeigten. Basierend auf den datengestützten Erkenntnissen und den Ergebnissen der Literaturrecherche liefert die Arbeit konkrete Empfehlungen für Regulatoren und Finanzinstitutionen zum Liquiditätsmanagement für Krisensituationen. Besondere Bedeutung kommt hierbei ausgewogenen Verbindlichkeitsstrukturen, der Reputationsrisikobewertung und der öffentlichen Wahrnehmung des Finanzsektors in dem jeweiligen Land zu.
Sarah Ogris-Kaltenhauser (Sun,) studied this question.