Psychotherapie entfaltet sich als eine Abfolge schneller Mikroundscheidungen unter Unsicherheit. Innerhalb von Sekunden integrieren Kliniker verbale, paraverbale, verkörperte und relationale Hinweise, schätzen die momentane Kapazität des Patienten für affektive Arbeit ein, wählen eine Interventionsdosis und wenden Stop-Regeln an, um Überwältigung und Brüche zu verhindern. Die computergestützte Psychiatrie bietet prinzipielle Rahmenwerke für sequentielle Entscheidungsfindung, aber der Fortschritt in der computergestützten Psychotherapie bleibt durch das Fehlen von klinisch fundierten, maschinenlesbaren Grammatiken eingeschränkt, die die Mikroundscheidungen des Therapeuten im Kontext erfassen. Ich stelle die Perceive-Assess-Dose-Safeguard (PAD-S) Entscheidungsmatrix als eine sicherheitsgesteuerte Zustand-Aktion-Grammatik für psychotherapeutische Mikroundscheidungen vor. PAD-S formalisiert vier "Front-of-System" Signale – defensive/ausweichende Organisation (DEF), Angst/Aktivierung und Toleranz (ANX), Patientenfortschritt in Richtung direkter Erfahrung und Handlung (PRO) sowie Selbstangriff/Schamprozesse (SUP) – zusammen mit drei Sicherheitsgrenzen (A–C), die die Interventionsdosis steuern. Jeder Entscheidungszeitpunkt kann als "Episodenlinie" (Auslöser, Zustand, Grenze, Handlung und erwartete funktionale Auswirkung) protokolliert werden, was Transkriptannotation und strukturierte Datensätze ermöglicht. PAD-S ist in der erfahrungsbasierten dynamischen Psychotherapie (EDT/ISTDP) fundiert, wird aber als eine orientierungstranslatable Repräsentationsebene ausgedrückt: DEF kann als Vermeidungs-/Sicherheitsverhalten gelesen werden, ANX als Aktivierung/Toleranz, PRO als Annäherung und wertkonforme Handlung sowie SUP als Selbstkritik/Scham. Ich zeige, wie PAD-S-Trajektorien mit hybriden neuronalen-kognitiven Modellen wie SPICE verbunden werden können, um spärliche, interpretierbare Gleichungen des Prozesswandels zu entdecken, und skizziere testbare Hypothesen und durchführbare Pilotstudien (Zuverlässigkeit, Ergebnisschlussfolgerung und Modellierung), um das Rahmenwerk zu bewerten. computergestützte Psychiatrie; computergestützte Psychotherapie; psychotherapeutische Prozesskodierung; interpretierbare KI; Mensch-im-Kreis; aktive Inferenz; SPICE; Mini-ICF-APP
Eik Niederlohmann (Fri,) hat diese Frage untersucht.