Zusammenfassung Dieser Artikel entwickelt eine normative Darstellung unserer epistemischen Pflichten gegenüber Experten und Expertise und schlägt zwei komplementäre Modelle solcher Pflichten vor. In einem Optimierungsmodell stellt die Missachtung von Expertise einen Verstoß gegen die allgemeinen Normen der epistemischen Effizienz dar. In einem Reputationsmodell hat die Art und Weise, wie Expertenzeugnisse akzeptiert oder missachtet werden, greifbare Auswirkungen auf das epistemische soziale Umfeld, wodurch kontextsensitive Verpflichtungen entstehen. In vielen Fällen untergräbt Missachtung von Expertise die kollektive Kalibrierung des epistemischen Vertrauens. Diese Darstellung erklärt, warum Missachtung von Expertise einen charakteristischen epistemischen Fehler darstellt, während die Exzesse von sicherheitsbasierten und präventiven Theorien vermieden werden. Sie behandelt auch das Problem von räuberischen Experten und zeigt, wie Normen der epistemischen Reputation die Aussetzung von Vertrauen in Fällen von Missbrauch rechtfertigen können, ohne in allgemeinen Skeptizismus gegenüber Expertise zu verfallen.
Dominik Jarczewski (Tue,) untersuchte diese Frage.