In den letzten drei Jahrzehnten hat das Interesse an der göttlichen Onomastik im antiken Mittelmeerraum erneuten Aufschwung erfahren. Göttliche Namen sind ein privilegierter Zugangspunkt zur Untersuchung der Konstruktion und Funktion polytheistischer Systeme. Die Verbreitung digitaler Korpora -DEPHis (Göttliche Epitheta in Hispania), SIRAR (Sylloge Inscriptionum Religionis Africae Romanae) und die umfangreiche Datenbank des ERC-Projekts MAP (Mapping Ancient Polytheisms) hat die Grundlage für die Analyse erheblich erweitert und ermöglicht detaillierte lokale und umfassende vergleichende Studien. Die vorliegenden Bände - die englische Übersetzung einer breit gefassten Sammlung (Bonnet), eine fokussierte Monographie (Kajava) und die Akten eines bedeutenden Workshops (Palamidis und Bonnet) - spiegeln den aktuellen Stand der Forschung wider, drücken aber auch deren Grenzen aus, hinterfragen überlieferte Taxonomien, rücken das menschliche Handeln in den Vordergrund und erkunden die pragmatischen Dimensionen der Benennung des Göttlichen. Ich werde mich mit diesen vielschichtigen Materialien durch meine disziplinäre Linse auseinandersetzen: Der linguistische Ansatz, der in den drei Bänden relativ unterrepräsentiert ist, kann übergreifende Lesarten bieten und das Spektrum der disziplinären Perspektiven auf religiöse Onomastik erweitern. Starre Dichotomien zwischen Theonym und Epitheton und zwischen literarischem Epitheton und kultischem Epiklesis (immer noch explizit in N. Belayche et al. edd., Nommer les dieux. Thonymes, pithtes, piclses dans l'Antiquit 2005; vgl. die Vorstellung des 'kultischen Doppelnamens': R. Parker, Greek Gods Abroad. Names, Natures, and Transformations 2017, S. 1-31) erweisen sich als unzureichend im Umgang mit heterogenem Material. Eine breitere Kategorie - onomastische Sequenz/ Formel, eine Sinneinheit, die durch die Kombination onomastischer Attribute gebildet wird - erweist sich als effektiver (C.
Elena Langella (Mo,) untersuchte diese Frage.