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Die Gedächtniswelle in den Geisteswissenschaften hat zu einem beeindruckenden Aufschwung der Kulturgeschichte beigetragen, doch der Erfolg der Gedächtnisforschung wurde nicht von bedeutenden konzeptionellen und methodologischen Fortschritten in der Forschung zu kollektiven Gedächtnisprozessen begleitet. Die meisten Studien zum Gedächtnis konzentrieren sich auf die Darstellung spezifischer Ereignisse innerhalb bestimmter chronologischer, geographischer und medialer Kontexte, ohne die Zielgruppen der betreffenden Darstellungen zu reflektieren. Infolgedessen kann der Reichtum neuer Erkenntnisse über vergangene und gegenwärtige historische Kulturen nicht abschließend mit spezifischen sozialen Kollektiven und ihrem historischen Bewusstsein verbunden werden. Dieses methodologische Problem wird sogar durch die metaphorische Verwendung psychologischer und neurologischer Terminologie verstärkt, die die sozialen Dynamiken des kollektiven Gedächtnisses als Effekt und Erweiterung des individuellen, autobiografischen Gedächtnisses falsch darstellt. Einige dieser Mängel können durch die umfangreiche Kontextualisierung spezifischer Darstellungsstrategien angegangen werden, die Fakten der Darstellung mit Fakten der Rezeption verknüpft. Infolgedessen würde die Geschichte des kollektiven Gedächtnisses als ein komplexer Prozess der kulturellen Produktion und des Konsums neu gestaltet, der die Beständigkeit kultureller Traditionen sowie die Genialität der Gedächtnismacher und die subversiven Interessen der Gedächtniskonsumenten anerkennt. Die Verhandlungen zwischen diesen drei verschiedenen historischen Akteuren schaffen die Regeln für das Engagement in der wettbewerbsorientierten Arena der Gedächtnispolitik, und die Rekonstruktion dieser Verhandlungen hilft uns, zwischen der Fülle gescheiterter kollektiver Gedächtnisinitiativen einerseits und den wenigen Fällen erfolgreicher kollektiver Gedächtniskonstruktion andererseits zu unterscheiden. Zu diesem Zweck sollten die Studien zum kollektiven Gedächtnis die Methoden der Kommunikations- und Medienwissenschaften übernehmen, insbesondere in Bezug auf die Medienrezeption, und weiterhin eine breite Palette interpretativer Werkzeuge von der traditionellen Geschichtsschreibung bis hin zu poststrukturalistischen Ansätzen nutzen. Aus der Perspektive der kollektiven Gedächtnisforschung sind diese beiden Traditionen eng miteinander verbunden und gegenseitig vorteilhaft, anstatt sich gegenseitig auszuschließen.
Wulf Kansteiner (Wed,) hat diese Frage untersucht.