Einleitung: Trotz effektiver präventiver Maßnahmen bleibt die rheumatische Herzkrankheit (RHK) ein bedeutender Faktor für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Azithromycin (AZM) hat aufgrund seiner antibakteriellen, entzündungshemmenden und immunmodulatorischen Eigenschaften, die für die Pathophysiologie der RHK relevant sind, Aufmerksamkeit erlangt. Im Kontext von RHK und akutem rheumatischem Fieber (ARF) fasst dieser narrative Überblick mechanistische, präklinische und begrenzte klinische Informationen zu AZM zusammen und unterscheidet zwischen evidenzbasierter therapeutischer Anwendung und hypothesengenerierender biologischer Plausibilität. Methoden: Bis Mai 2025 wurde eine systematische narrative Literatursuche in PubMed, Scopus und Google Scholar durchgeführt, um Forschungen zu den immunregulatorischen Effekten von AZM, der Modulation entzündlicher Signalwege und der antibakteriellen Aktivität zu finden. Wichtige Ergebnisse wurden mittels konzeptueller Synthese und Referenzsichtung zusammengefasst. Ergebnisse: Experimentelle Studien zeigen, dass AZM entzündliche Mediatoren wie MUC5AC, MMP-9 und IL-8 durch Beeinflussung molekularer Signalwege wie MAPK, NF-κB und AP-1 reduziert. Diese Prozesse könnten wichtig für die Verringerung immunvermittelter Gewebeschäden bei RHK sein. Klinische Daten sind jedoch weiterhin begrenzt und inkonsistent. Vergleichsstudien zeigen, dass Benzathinpenicillin G (BPG) weiterhin die beste Option für die Sekundärprophylaxe ist; AZM zeigt lediglich theoretische oder situationsspezifische Vorteile (z. B. orale Gabe, Patientenadhärenz oder Allergiesituationen). Diskussion: Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die drei unterschiedlichen Mechanismen von Azithromycin – antibakteriell, entzündungshemmend und immunmodulatorisch – einen taktischen Vorteil bei der Behandlung von RHK bieten können, insbesondere in Situationen, in denen konventionelle Therapien unwirksam sind. Seine Wirkung auf bedeutende entzündliche Mediatoren und Signalwege legt eine breitere Anwendung in der Sekundärprävention und mögliche Krankheitsmodifikation nahe. Allerdings sind pharmakogenomische Studien und Langzeitklinische Studien erforderlich, um die Wirksamkeit zu bestätigen und Therapien zu individualisieren. Schlussfolgerungen: AZM sollte eher als experimentelle Ergänzung denn als bewährte Behandlung zur Prophylaxe der RHK betrachtet werden. Gut konzipierte, kontextspezifische randomisierte Studien, die Sicherheit, Resistenzüberwachung und Kosteneffektivität integrieren, sind notwendig, um molekulare Effekte in therapeutischen Nutzen zu übersetzen, aber sie bieten nützliche Informationen für die Ideenentwicklung. AZM sollte nur bei Penicillinunverträglichkeit oder im Rahmen von Implementierungs- oder Machbarkeitsstudien in ressourcenarmen Gebieten in Betracht gezogen werden.
Wal et al. (Mi,) haben diese Fragestellung untersucht.